Brasilien – Chile 3:0

Vorbericht

  • „Endlich mal ein Spiel für Männer“, ruft der Vorstandsvorsitzende der Sportfreunde Schienbeinsplitter Hartmannsdorf e.V. in die versammelte Runde am Stammtisch. Und in der Tat könnte während dieser WM das erste Festival des harschen Körperkontakts gefeiert werden. Denn die Brasilianer haben die letzten sieben Partien gegen ihre Kontinentkollegen gewonnen, der Chilene war seit 1962 nicht mehr in einem Viertelfinale und muss auf die eingespielte Verteidigung mit Waldo Ponce, Marco Estrada und Gary Medel verzichten. Es sieht nach einem 2:0 für die Sambatänzer mit anschließender Knochenpolitur aus.
  • „Das war ja bisher wie Kaiserin Sissi beim Wiener Opernball“, ereifert sich der erste Kassenwart. „Nicht mal der Engländer hat zurückgekeilt. Und wozu gibt’s all die schönen Zeitlupen, wenn nicht mal ein Wadenbeinbruch in der Entstehung gezeigt werden kann?“. Ein berechtigter Einwurf. Selbst die roten Karten konnte man bisher kaum mit anerkennendem Applaus bedenken, mit Ausnahme vielleicht dieses Nigerianers, der dem Griechen damals in der Vorrunde eine reintreten wollte, aber kaum richtig getroffen hat.
  • Bei den Brasilianern kann Ralph Blumer wieder mitspielen. Der Ralph, die alte Socke! Hat schon zwei Tore erzielt, allerdings unter seinem Künstlernamen Elano. Dem drück ich die Daumen, dass er ohne Schmerz aus der Partie rauskommt. Wenn es gegen uns geht, lässt der sein Trikot bestimmt mit seinem richtigen Namen beflocken, um die deutsche Verteidigung zu täuschen. Ich höre schon den Kommentator vor meinem geistigen Ohr: „Schöner Rückpass von Mertesacker auf Neuer, der leitet direkt weiter zu Blumer … und wie aus dem Nichts das 1:0 für Brasilien!“
  • Gemessen an den bisherigen Leistungen der Brasilianer wird das ein stocknüchternes 2:0. Genau das 2:0, das der Niederländer heute nachmittag im Sinn hatte, sich aber aus reiner Bosheit vermasselte, nur damit mein Tipp nicht eintreten konnte. Die Gefahr von Eintretereien von Seiten des Chilenen ist bei dieser Begegnung allerdings ungleich größer.

Nachbericht

  • Nix Elano, nix Frustfoulero. Ein Südamerikaner weniger im Turnier, aber das konnte jetzt ja nicht so die ganz große Überraschung sein. Was macht man, wenn es nach nicht mal 60 Minuten 3:0 steht? Das alte Spiel: die einen wollen nicht mehr, die anderen können nicht mehr. Einmal reingeköpft, einmal ausgetanzt, einmal geschlenzt, alle dreimal hoch effektiv wie gewohnt. Spannung ist was anderes…
  • Einen Ehrentreffer hätte ich den Chilenen für ihr Bemühen schon gegönnt. Aber Bemühen heißt ab dem Achtelfinale auf Wiedersehen in Lobsprache. Ein wenig kam es mir schon vor, als würden Lucio & Co hinten alle kleinen Sandtürmchen der Chilenen niedertreten, obwohl sie selbst schon eine mehrzinnige Burg in der gegnerischen Hälfte aufgebaut hatten.
  • Ich warte immer noch auf das Achtelfinale, in dem der David dem Goliath mal frech ein Geschoss ins Netz haut, eine lange Nase dreht und Richtung eigener Strafraum davonläuft. Wo es spannend und dramatisch bleibt bis zur letzten Minute, wo eine Sensation in der Luft liegt. Mal sehen, was morgen ansteht: Paraguay gegen Japan. Meeeeh. Meine Erwartungen bleiben auf Sinkflug.
Advertisements

2 Gedanken zu “Brasilien – Chile 3:0

  1. Ich finde: Jungs, die in gelben Rollkragenpullis auflaufen, sollten Snobsportarten versuchen, ich bin für die anderen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s