Slowenien – England 0:1 / USA – Algerien 1:0

Vorbericht

  • Der Engländer ist tatsächlich immer noch im Turnier. Wäre die Veranstaltung dort unten eine Castingshow, ich glaube, den hätten seine eigenen Landsleute schon rausgewählt. „Britain’s Got No Talent“, möchte man fast ausrufen in Anlehnung an das britische Fernseh-Pendant zum deutschen Supertalent. 1:1 gegen England, ach Quatsch, gegen die USA, 0:0 gegen Algerien. Das ist schon sehr dünn. Und die Unterhaltungsqualität hat im zweiten Spiel auch schwer gelitten.
  • Wenigstens funktionieren noch die alten Mechanismen außerhalb des Platzes. Rooney legt sich ganz bullymäßig gekonnt via Übertragungskamera mit den Fans an – klar, wenn man sich nicht mit Leuten gleicher Stärke prügeln kann, geht man auf die los, die sich nicht wehren können. Ex-Kapitän John Terry schafft es, bei jedem seiner gelungenen Auftritte auf und neben dem Platz noch mehr wie ein bedröppelter Teddybär auszusehen als schon vorher.  Aber es gibt Hoffnung: denn die entscheidende Partie gegen Slowenien pfeift ein Deutscher! EIN DEUTSCHER! Da begehrt der Engländer auf, das trifft ihn ins Mark, nun ist der Fall klar – der Teutone war schuld, wenn es in die Hose geht. „Pfeif mir das Lied vom Tod„. Mit Wolfgang Stark in der Rolle des jungen Henry Fonda. Oder auch „Der Feind in meinem Spiel„. Ohne Julia Roberts, aber dafür mit dem bereits erwähnten John Terry, der ja gerne mal das Bett mit dem Spiel zusammenbringt.
  • Zur Konstellation: der Engländer muss gewinnen, dann ist er im Achtelfinale. Spielt er unentschieden, kann ihn der Ami oder sogar der Algerier aus dem Turnier holen. Die Cowboys oder Allah im Kampf  um Punkte in der Abschlusstabelle vor dem Mutterland des Fußballs. Geschlagen von der Truppe eines osteuropäischen Landes, von dem 99,9% der britischen Fans gar nicht wissen, wo sie ihre Hassbriefe hinschicken sollen – da würde ich vielleicht auch die Schuld beim deutschen Schiri suchen. Wenigstens weiß man in dem Fall, wo er wohnt.
  • Sollte es wirklich zur Katastrophe kommen und die Three Lions die vorzeitige Heimreise antreten müssen, möchte ich doch sehr bitten, hier drinnen von hämischen Kommentaren Abstand zu nehmen. Bis heute Abend 22:25 Uhr.

Nachbericht

  • Der Engländer ist im Achtelfinale. Verdient, das muss man anerkennen. Zu dominant traten Rooney & Co nach dem 1:0 auf, zu deutlich sprach das Chancenverhältnis zu ihren Gunsten. Nur in dem einen Moment in der 68. Minute, als die Slowenen gleich drei Einschussmöglichkeiten vergaben, ging mir eine der beiden Fußballweisheiten durch den Kopf, die mein Vater immer zum Besten gab: „Die einen spielen und die anderen schießen das Tor“. Wäre das ein Drama geworden, wenn noch etwas passiert wäre. Vor allem, da die Three Lions nach besagter Minute ziemlich gehemmt wirkten. Ach ja, die zweite Weisheit meines alten Herrn lautete: „Olé Olé – Olé Ola, der FCK ist wieder da“
  • Ich gebe hiermit zu Protokoll, dass ich beim Stand von 1:0 nicht Reporter Steffen Simon mit einem „Scheiße“ und „Fuck, ey“ ins Wort gefallen bin. Ich war zur Tatzeit nicht vor Ort und habe Zeugen. War aber dennoch eine schöne Abwechslung.
  • Der Amerikaner ist der King der Gruppe geworden durch ein Tor von Donovan auf dem letzten Drücker. Was ich gesehen habe, wäre auch ein Ausscheiden der Amis unverdient gewesen, Stichwort: erneut aberkannter regulärer Treffer. So muss der Slowene nach Hause fahren. Hier bitte selbst einen Witz darüber einfügen, dass außer ihm so gut wie keiner genau weiß, wo das liegt. Und der vierte Afrikaner ist aus dem Turnier. Wundert es noch jemanden?
  • Zwei Sätze noch auf Englisch: That’s the way you preside over a game of football, ladies and gentlemen. Don’t forget to show some respect for the german ref!
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6 Gedanken zu “Slowenien – England 0:1 / USA – Algerien 1:0

  1. Bitte kaufen Sie sich doch ein Geschichtsbuch und schlagen Sie unter „Revolutionary War“ nach, dann werden Sie sehen, dass die Yanks keineswegs mehr eine Kolonie der Engländer sind, England mithin auch nicht 1:1 gegen sich selbst, sondern gegen dieses neuartige Staatengebilde „USA“ gespielt hat.

    Ansonsten: Super Sach das hier. Weiter so.

  2. Potzblitz! Der Engländer kämpft nun also wirklich nicht nur für und gegen sich, sondern auch gegen diese USA. Okay, das akzeptiere ich. Aber gehen Sie um Himmels willen nicht in eine Vertretung der Yellow Press in England und erzählen denen, dass der 2. Weltkrieg vorbei ist.

    Danke für das Lob!

  3. …dann hab ich mir ja das „Scheisse“ und „Fuck“ doch nicht eingebildet und es war auch nicht der Büronachbar.

  4. Und: schade um den Algerier, der hat mir zumindest beim Spiel gegen England sehr gut gefallen, den hätte ich mir gerne noch weiter angeguckt.

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