Portugal – Nordkorea 7:0

Vorbericht

  • Nach dem ruhmreichen Sieg gegen den mehrfachen Weltmeister aus Brasilien stellt sich unserer tapfer aufspielenden und die Herzen der Welt erobernden Mannschaft heute die Fratze des Kapitalismus in ihrer ganzen Hässlichkeit entgegen: Portugal mit Cristiano Ronaldo. 93 Millionen Euro soll es wert sein, diesen vom Mammon bereits zerfressenen Untoten in seinen Reihen zu haben. Eine Summe, die unser täglich in der Liebe seines Volkes vollbadender Führer monatlich aufwendet, um unsere Nation vor schändlichen Angriffen des Klassenfeindes im Süden zu schützen! Wie etwa der Behauptung, dass der Brasilianer gegen unsere fußballspielenden Genossen zwei Tore erzielt haben soll.  Einfach nur lachhaft. Beschämend. Peinlich. Jeder Bürger Nordkoreas ist eingeladen, sich anhand des liebevoll staatlich gepflegten Intranets an den Universitäten unseres großartigen Landes vom Gegenteil zu überzeugen. Wahrheit! Intranet! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Pech für den vom Volk täglich auf Händen getragenen Führer, dass er die Schmähung „Kim Jong-Il Gae Heng Hi Hi“ noch nicht aus dem World Wide Web herausfiltern lassen konnte. Google zeigt sie trotz mehrfacher Intervention seitens der nordkoreanischen Zensurfachbeamtenschaft immer noch an. Wenn ich den Schmutzfink erwische, der diesen Satz in Umlauf gebracht hat!
  • Portugal kann mit einem Sieg einen großen Schritt Richtung Achtelfinale machen. Gegen das bereits qualifizierte Brasilien würde dann ein Unentschieden genügen, um den zweiten Platz zu sichern. Der portugiesische Trainer Carlos Queiroz hat beim Schiedsrichtergespann der Partie vorab eine Liste möglicher Aktionen nordkoreanischer Spieler  gegen Superstar Cristiano Ronaldo eingereicht, die sofort zu unterbinden sind: böse gucken, anfassen, schubsen sowie Ball abnehmen und davonlaufen.
  • Bei einem Unentschieden rege ich mich sowas von auf, denn dann wäre mein Oddset-Tippschein 255 Euro wert gewesen, wenn der Slowake gegen Paraguay gewonnen hätte. Ich fahr nach Bratislava und pinkele solange dortige Sehenswürdigkeiten an, bis man mir den Verlust erstattet.

Nachbericht

  • Erneut hat die Volksmannschaft der demokratischen Republik Korea einen bleibenden Eindruck bei diesem WM-Turnier hinterlassen können. Strahlender Sonnenschein im Stadion zu Johannesburg wurde Zeuge einer überragenden kämpferischen Leistung, mit der unser Kollektiv den Portugiesen ein 0:0 abzutrotzen vermochte. Superstar Cristiano Ronaldo verließ bereits in der 10. Spielminute mit Heulkrämpfen das Feld, so sehr war er vom wieselflinken und zupackenden Spiel seiner Gegner zermürbt und verwirrt worden. Ich will an dieser Stelle keine großen Worte über die Begegnung verlieren, denn ich denke, das Unentschieden alleine spricht für sich. Beschämend allerdings erneut das Verhalten des Klassenfeindes im Süden, der das Fernsehsignal erst zu einer Zeit im einzig wahren Korea ankommen lässt, zu der zum Schutz seiner wertvollen Infrastruktur rein routinemäßig der Strom abgestellt sein wird. Der jeden Morgen von der Liebe seines Volkes noch leicht aufgequellte Führer Kim Jong-Il hat jedoch bereits erwirken können, dass unserer Mannschaft ein Zusatzpunkt für ihre Verdienste gegen die kapitalistische Streitmacht Portugal zuteil werden wird. Damit ist die letzte Partie gegen die eh bisher schwach auftretenden Ivorer ohne Bedeutung geworden und bedarf auch keiner Übertragung durch den sonst stets zuverlässig arbeitenden nordkoreanischen Rundfunk. Zusatzpunkt! Achtelfinale! Vaterland! (Offizieller WM-Korrespondent für Nordkorea, M. Inishmore für Prima Propaganda Pjöngjang)
  • Nun ein paar Worte für die freie Welt: der Portugiese schlägt zu. Sieben superb herausgespielte Treffer sind schon eine Marke. Dem Nordkoreaner kann man nun wirklich nicht vorwerfen, dass er nach dem 2:0 vielleicht schon keine Lust mehr gehabt hätte. Aber wie die Angriffe der Portugiesen perfekt abgewickelt wurden, das lässt erahnen, was noch drin sein könnte in der Wundertüte der Mannschaft. Gefreut hat mich der Treffer von Hugo Almeida, den von Cristiano Ronaldo nehme ich halt hin.
  • Nordkorea ist damit ausgeschieden. Ich glaube, die Spieler würden sich herzlich freuen, wenn sie zuhause so etwas wie Presse hätten, die allein mit Worten auf sie einknüppeln würde. Ein bisschen haben die mir nach Abpfiff schon leid getan. Schon weil die Begegnung tatsächlich live im dortigen Fernsehen übertragen wurde.
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7 Gedanken zu “Portugal – Nordkorea 7:0

  1. ronaldo kriegt für mich einen clown-punkt!

    für mittwoch warte ich übrigens mit 34 cm auf, das war wohl ein verschreiber erster güte. bin also noch im rennen! 😀

      • das ist nett von Dir. ;D
        eine leistungssteigerung wäre mir da aber fast lieber. wenn er schon nicht gut aussehen kann, dann wenigstens mal konstant gut spielen.
        andrerseits kann es einem nach der gestrigen ausgestandenden zitterpartie jetzt alles erstmal ganz egal sein. bis sonntag, mein ich. uff.

  2. Pingback: USA – Nordkorea « Das unfassbar kompetenzfreie WM-Tagebuch

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