Chile – Schweiz 1:0

Vorbericht

  • Der Eidgenosse in Ekstase; wer seine liebgewonnenen Vorurteile pflegt, dem kommt diese Kombination so unrealistisch vor wie mit Geld um sich werfende Schotten, Gourmet-Engländer oder nüchterne Iren. Aber mich hat’s schon sehr gefreut, wie der stolze Spanier am vergangenen Mittwoch das Taschenhandtuch in die Arena werfen musste. So ein bisschen möchte unsereiner die Schweizer auch für sich vereinnahmen, falls die DFB-Elf am Donnerstag nochmal einen ganz gebrauchten Spieltag erwischen sollte. Deutscher Trainer, viele Spieler aus der Bundesliga, fast kriechen einem die adoptivväterlichen Tränen des Stolzes in die Augenwinkel. Der Hitzfeld kennt das Gefühl gut.
  • Aber Vorsicht! Der Südamerikaner spielt ein verdammt gutes Turnier. Hat überhaupt einer bisher ein Team von diesem Kontinenten schlagen können? Moment, ich schaue nach… nö. Unbesiegt nach fast zwei Spieltagen. Womit kann das zusammenhängen? Nur weil das Turnier in der südlichen Hemisphäre stattfindet? Egal. Die Chilenen müssten zu packen sein. Ein 1:0 gegen Honduras ist doch nichts, wovor man Respekt haben müsste. Eher träumt der Chilene schon nachts von El Benaglio, dem vielhändigen Teufel und Bändiger des Spaniers.
  • Mit einem Sieg können die Schweizer den Brasilianern in der anderen Gruppe aus dem Weg gehen. Und dem Spanier gegen Honduras ordentlich Druck machen. Da zittert’s im Flamenco-Schuh, wenn die ersten Angriffe hängenbleiben. Am letzten Spieltag dürfen schließlich die beiden spanischstämmigen Mannschaften sich gegenseitig rundmachen, während der Schweizer auf Honduras urlaubt und mit der zweiten Elf  lächelnd ein Pünktli mitnimmt. So eine Ausgangsposition hätte ich gerne für unsere Jungs am Mittwoch gehabt.

Nachbericht

  • Gleich mal was Grundsätzliches für die lieben Chilenen. Nationalstolz hin oder her, extra lange Version hin oder her – es geziemt sich nicht, in die Hymne der anderen Mannschaft reinzusingen. Als Deutscher habe ich das Problem mit den zwingend und dringlichst reinzugrölenden Zusatzstrophen ja nicht, aber das hat mich schon gestört.
  • Wieso darf der Undiano eigentlich schon wieder pfeifen? Sepp, was soll denn das? Ach, das war ein anderer? Muss ich mir also neue Beleidigungen einfallen lassen. DU SPIELVERPFEIFER, WEICHSPIELER, FARBENBLINDER GOCKEL, GEH DOCH NACH HAUSE, LEG EINE KUSCHELROCK-CD EIN UND MASSIER DIR DIE WADEN MIT ORIGINAL LATSCHENKIEFER-EXTRAKT, DU ZWEIKAMPFALLERGIKER! Das war doch maximal eine gelbe Karte für Behrami, der hat halt hinten nun mal keine Augen! Und in der zweiten Hälfte dem Medel nur Gelb zeigen! Für’s an die Gurgel gehen! Markier dir doch vor dem Spiel die Karten, wenn du sie schon nicht auseinanderhalten kannst!
  • Anders als der Oliver Kahn will ich den Chilenen jetzt nicht so sehr Schauspielerei vorwerfen. Hand im Gesicht löst wohl bei jedem den Hinfallreflex aus. War bei dem Schweizer von Bergen in der 61. Minute auch so. Aber so richtig ans Herz gewachsen sind mir Waldo Ponce und Co auch nicht.
  • Mich hat das Spiel emotional berührt. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an den Freitag. Ich hab überall Serben gesehen. Und statt Benaglio dauernd NEUER gerufen. Aber der Diego hat hinten wieder einiges rausgeholt. Das 1:0 war Pech, den köpft der Gonzalez auch nicht immer so perfekt über das hochgerissene Verteidigerbein rein.
  • Normalerweise rege ich mich bei keinem Spiel auf, wenn die Deutschen nicht beteiligt sind. Da können Tribünen einkrachen, Riesenchancen versemmelt werden oder Tore umfallen. Als aber der Derdiyok in der 90. Minuten den Ausgleich danebenzimmert, habe ich einmal kraftvoll „ACH SCHEISSE“ ausrufen müssen.
  • Ich halte den Schweizern weiter die Daumen. Gegen Honduras müsste ein Sieg ja wohl locker drin sein. So einen Schiri erwischst du doch nur einmal im Turnier. Huch, sowas Ähnliches habe ich auch letzten Freitag geschrieben…
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4 Gedanken zu “Chile – Schweiz 1:0

  1. Interessanterweise hat die FIFA in nem offiziellen Bericht die Leistung ihrer Schiedsrichter himmelhochjauchzend gelobt und gemeint, dass dies die besten der Welt wären und so auch ihre Leistungen Top sind.
    Der Kiwi Kapitän Ryan Nelsen sagte trocken drauf: Wenn das die besten sind, will ich die schlechtesten nie sehn!

    is doch unfassbar, dass heute wieder son Schiri war. Pfeifen schoen und gut, nur a) sollte es richtig sein, wie du angemerkt hast und b) Karten wie Kamelle aufm karneval rauswerfen ist nicht der Sinn eines Schiris… Iwie ist deren leistung bei dieser WM Katastrophal…

    Aber den Chilen gönne ich den Sieg iwie…

  2. Ich finde es echt einfach nur noch grausam. Die Schweizer zu unrecht dezimiert, und dann auch noch durch ein Abseitstor verloren. Das ist doch schon wie Russisch-Roulette. Warum spielen die überhaupt? Können doch auch am Automaten spielen : please insert Coin.

  3. naja, wenn die „fouls“, die er mit ’ner gelben karte bestraft hat, tatsächlich gelbe gewesen wären, dann war die rote karte schon berechtigt – da sie das aber nicht waren, und er das wahrscheinlich in der halbzeitpause auch gesagt bekommen hat, gab es in der zweiten halbzeit für ahnliche aktionen halt auch nur gelb und nicht rot.
    wie du allerdings nach den zwei spielen der eidgenossen noch ihr weiterkommen wünschen kannst, ist mir schleierhaft…
    hitzfeld scheint mir der neue rehagel werden zu wollen; und auch deshalb hat chile verdient gewonnen!

  4. Ach, beim Sieg gegen Spanien habe ich halt für den David gegen den Goliath gehalten. Und gestern hat mich so an unsere Partie gegen die Serben erinnert. Ich habe auch einen sehr guten Bekannten, der in der deutschen Enklave in der Schweiz lebt. Von daher ist mir der Schweizer schon nah.

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