Frankreich – Mexiko 0:2

Vorbericht

  • Eine ganz normale Taktikbesprechung in der Kabine des französischen Teams: Trainer Raymond Domenech erscheint wie gewohnt in weißer Toga, seine Füße zieren braune Sandalen, sein lockig gewelltes, graues Haupthaar ein selbstgeflochtener Lorbeerkranz. In der linken Hand hält er eine Leier fest umklammert. „Untertanen, höret die Worte Eures Kaisers!“, setzt er an. „Wohl gespielet habet Ihr zu den Iden des Juno! Ein schönes 0:0 war es. Nun gehet hinaus und schenket Eurem Kaiser ein weiteres schönes 0:0. Sodann brennet zu Ehren Seiner Göttlichkeit die Stadionstätte nieder, auf dass Er im prallen Schein der afrikanischen Sonne auf Seiner geliebten Leier das von Ihm komponierte „Je ne regrette rien“ zur gesanglichen Aufführung bringen möge“. Spricht’s, wirft sich die Toga um die Schulter und verlässt majestätisch getragenen Schrittes den Raum. „Zût alors“ entfährt es Franck Ribéry: „jedes verdammte Spiel dieselbe beschissene Taktik“.
  • Javier Aguirre Onaindia, der mexikanische Trainer, hat das Eröffnungsspiel genau studiert und kommt zu einer bahnbrechenden Erkenntnis. „Uns fehlt es an einer entscheidenden deutschen Tugend, der Effizienz!“ analysiert er knackscharf. „Hätten wir gegen den Südafrikaner unsere spielerische Dominanz in Tore verwandelt wie der Deutsche es gegen den Australier getan hat, wir wären die Könige der ersten Runde geworden. Vamos muchachos, eifern wir dem deutschen Spielertypen nach!“. Doch die Umstellung verkraftet der Mexikaner bereits auf kulinarischer Ebene nicht: Tacos mit Sauerkrautfüllung, Tortillas mit Leberknödelgeschmack und Salsa-Bier wirken zusammen schlimmer als die Rache Montezumas auf den auswärtigen Urlauber. Trotzdem gelingt ein 1:0 gegen wie immer völlig planlos auf dem Platz herumirrende Franzosen.
  • Wird der Franzose sich dem aktuellen Trend zum Toreschießen weiterhin verweigern? Der Uruguayer spielte gestern ja befreit auf, als er fernab von Les bleus agieren durfte. Für heute Abend sehe ich den Mexikaner leicht vorne, der weiß seit dem Eröffnungsspiel immerhin, wie man ins Tor trifft. Danach darbt der Franzose seit gut vier Jahren bei Turnieren.

Nachtrag

  • Der Franzose zu Beginn derart im Offensivwahn, dass er komplett vergisst, wie man einen sicheren Rückpass zum Torwart spielt. Der Mexikaner allerdings wahnt flott mit! Wirbelt durch das Mittelfeld, setzt Babyface Dos Santos ein, strahlt Gefahr aus. Leider nun mal nicht für das Tor der Franzosen.
  • Das ist das Problem des Mexikaners: in Nähe des Strafraums kennt er nur zwei Aktionszustände – entweder deftig drüberschaufeln oder beim Versuch, alles, was sich bewegt auszutanzen (bis der Torwart die weiße Fahne schwenkt und er mit dem Absatz vollenden kann), hängenbleiben. Ich glaube, letzteres ist bei den Mittel- und auch Südamerikanern einfach in den Genen verankert, solange sie nicht ins kalte Europa kommen und den humorlosen und furztrockenen Abschluss lernen.
  • Was der Franzose dem Ball angetan hat, war erneut eine Beleidigung pour les enfants de la patrie. Mittelfeldgehaspel, ohne dass der mexikanische Kampfgnom im Tor mal ernsthaft hätte eingreifen müssen. Aber Domenech schien nicht unzufrieden zu sein. Ich glaube, mein fiktiver Vorbericht war gar nicht so fiktiv.
  • Was man den Mexikaner natürlich nicht machen lassen darf, ist alleine vor dem Torwart aufzutauchen. Da schlenkt er fein und schenkt ihn ein. Mir tut’s richtig leid für den Lloris im französischen Kasten, der ist nämlich ein Guter. Vom Elfmeterpunkt trifft der El Tri-Mann natürlich auch. Dafür hat er seinen Oldie Cuauthemoc Blanco, der allein für den Anlauf wohl die längste Strecke am Stück während seiner gesamten Zeit auf dem Platz zurücklegt.
  • Der Franzose kann nach Hause fahren. Selbst wenn er nun wider Erwarten den Südafrikaner spielerisch vom Platz prügeln sollte, will ich ihn nicht gegen Argentinien oder Südkorea sehen. Dann doch lieber der Mexikaner oder Uruguayer, die strengen sich wenigstens in allen ihren Spielen an.
Advertisements

5 Gedanken zu “Frankreich – Mexiko 0:2

  1. L´équipe bleue hatte gestern keine Lust. Hast Du bei denen einen der Spieler richtig laufen gesehen? Wenn immer nur gewartet wird, dass ein anderer was tut, dann wird man schließlich nach Hause geschickt …

  2. Ja was ist denn da bei den Franzosen los??? Eine ganze Mannschaft verweigert das Training, weil sie es gut finden, wie Anelca den Trainer beleidigt??? Wenn ich mir vorstelle, ich würde ähnliche Worte zu meinem Chef sagen … au weia… Im Grunde müßte man die Mannschaft von der WM ausschließen (also der französische Verband müßte dies tun.) Hat es sowas schon mal bei einer EM/WM gegeben???

  3. Mag ja sein, aber ist es nicht eh schon amtlich, der der Trainer nach der WM seinen Hut nimmt??? Da kann man sich die letzten paar Tage ja wohl noch irgendwie zusammen raufen. Schließlich ist WM und da geht es durchaus um mehr als nur die goldene Ananas. Dachte ich jedenfalls immer. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s