Honduras – Chile 0:1

Vorbericht

  • Heute wende ich mich einmal an jene, die bei dem großen Fußballtohuwabohu bisher ahnungslos im Hintergrund standen und nicht mitreden konnten. Die bei jedem Eckball „Das war ganz klar Abseits“ reinrufen oder bei Diskussionen über die Heiligsprechung Maradonas ein entrüstetes „Aber ja doch, sie ist schließlich die Mutter unseres Erlösers!“ einwerfen und von da an bei allen Gesprächsrunden gemieden werden.
  • Folgende Sätze bitte auswendig lernen und beim Einlauf bzw. der Einwechslung des Chilenen Arturo Vidal (Rückennummer #8) fallen lassen: „Och menno, ich dachte, wir sehen endlich die erste Partie bei dieser WM, bei der noch kein einziger Spieler auf dem Platz Bundesligaerfahrung vorweisen kann. Das ist doch gerade das Reizvolle, einmal komplett neue Mannschaften abseits des Einflusses des deutschen Fußballs kennenlernen zu dürfen. Jetzt kann ich wohl nur noch auf Spanien gegen Honduras am kommenden Montag hoffen!“. Danach kurz im Schein der dummen Gesichter baden und sich entfernen. Sollte Arturo Vidal nicht eingesetzt werden, wie wild vor Freude im Zimmer herumspringen und die oben genannten Sätze entsprechend umändern in „Juhu, endlich sehen wir… Nun muss ich nicht mehr auf…hoffen“.
  • Die Fußballwelt setzt auf Honduras. Wo sind sie geblieben, die Außenseiter, die Nobodys, die Hinterherjapser? Die sich bereitwilig so herrlich die Hucke vollhauen lassen wie damals El Salvador 1982 gegen Ungarn? Die kurz nach Wiederanpfiff schon gemeinsam den ersten Wadenkrampf feiern? Bei denen das Publikum enthusiastisch zu schreien anfängt, wenn sie über die Mittellinie kommen? Vielleicht sollte man wirklich über ein Freilos für solche Teams nachdenken.
  • Wieder muss ich in meiner Panini-Sammlung einen schwarzen Schrägstrich bei einem Spielerbildnis anbringen. Julio Cesar de Leon musste verletzt abreisen, für ihn kommt Jerry Palacios, der nun zusammen mit seinen Brüdern Johnny und Wilson zum Kader gehört. Die Rasselbande! Fast so schlimm wie die Daltons. Diese Neuigkeit habe ich auf de.fifa.com aufgeschnappt und dachte mir, ich schreib es mal hin, falls hier Fans von Leon mitlesen. Seit der Besucherexplosion gestern (danke, Spreeblick) muss ich ja auf alle Eventualitäten gefasst sein.
  • Der Chilene war – holla – die zweitbeste Mannschaft in der südamerikanischen Qualifikationsrunde. Noch besser als Paraguay. Aber das sagt eigentlich nichts aus, die spielen dort schließlich manchmal auf Höhenlagen, wo der Messner sich nur mit Sauerstoffgerät hintrauen würde und Maradona ein ärztliches Einreiseverbot hat, weil für ihn schon beim Aufheben des Balls die Gefahr eines mittleren Herzkaspers bestünde.

Nachbericht

  • Sehen wir es ein: diese WM gibt uns keine Mannschaft den El Salvadorianer. Immerhin durfte man ein recht flottes Spiel mit vielen Chancen für die Chilenen beobachten. Erfrischend deren stramm nach vorn gerichtete Spielweise: da fragt niemand, ob die Räume dicht sind, ob die Viererkette stabil ist oder ob jeder Verteidiger schon den Ball hat berühren dürfen, bevor es über die Mittellinie geht. Nein, mit dem Antreiber Vidal geht es ohne großes Rumgehuddel flott durchs Mittelfeld und ab Richtung Strafraum. Und selbst wenn ein Tor gelingt, ändert sich die Marschrichtung kein bisschen. So gefällt mir das.
  • Der honduranische Torhüter mit einer Weltklasse-Aktion gegen Waldo Ponce. Dass ich die beiden Begriffe „Weltklasse“ und „honduranischer Torhüter“ mal in einem Satz nennen würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Vor 25 Jahren hätte man über dieses Thema höchstens eine Zukunftsutopie schreiben können.
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