Niederlande – Dänemark 2:0

Vorbericht

  • Montag, 8:30 Uhr: Arbeitgeberpräsident Dr. Dieter Hundt sitzt gramgebeugt an seinem Schreibtisch und schüttelt den Kopf. Sein Plan scheint nicht zu funktionieren. Dabei wollte er doch nur die deutsche Wirtschaft vor immensem Schaden bewahren. Was war er damals schockiert gewesen, als er hörte, dass der übergeschnappte Afrikaner während der WM sogar Spiele mitten in die schönste deutsche Kernarbeitszeit hinein übertragen wollte.
  • Flugs setzte er sich mit der renommierten Werbeagentur Schönfärb & Wort-Müll zusammen, die seine Kampagne als „fresh. wild. irresistible“ gelobt hatte. Er höchstselbst im Deutschland-Trikot, mit seinem gewinnendsten Lächeln, die  orange-rote Karte dynamisch dem Betrachter ins Gesicht haltend: „HOLLÄNDER? NICHT WÄHREND MEINER ARBEITSZEIT!“ 10 Millionen Aufkleber als BILD-Beilage, Premium Social Networking Guerilla-Marketing und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte sogar fest versprochen, bei der offiziellen Pressekonferenz als Frau Antje verkleidet mehrere kalte Platten mit Holländerwitzen zu servieren. Doch die einzige Reaktion bisher war ein Kommentar auf Facebook mit dem Inhalt „Hundt? Am Arsch! Nix da! Olé Olé Olé Olé Olé! Schalalalala!“
  • Vor dem Holländer brauchen wir seit unserer Lehrbuchvorstellung gestern Abend keine Angst mehr zu haben. Vielleicht höchstens, wenn er in der Vorrunde Käse spielen sollte. Dann nämlich hebt er sich die Sahne für die Ausscheidungsrunde auf – und dann wird’s gefährlich! Gott sei Dank ist er bisher noch nie auf diese Idee gekommen.
  • Arjen Robben, der Mann mit dem Teufel im linken Fuß, kann wegen seiner Verletzung noch nicht ins Turnier eingreifen. Stattdessen singt er im extra angemieteten Studio in Kapstadt die Hymne „Hoep Holland Hoep“ ein, deren Tonspur das niederländische Fernsehen über den trötenden Liveton legen wird. Eine feine Sache.
  • Der Däne hat weiterhin das Urlaubsfußballer-Image an sich kleben. 1992 in Schweden wegen des Kosovo-Krieges für Jugoslawien ins Turnier gekommen, ein paar McDonald’s geplündert, in der Sonne gelegen und am Ende Europameister geworden.
  • Dänemark hat durch und durch sympathische Spieler und Fans, Morten Olsen besetzt schon seit gefühlten 200 Jahren die Trainerbank, für „Spielabbruch“, „Stadionverbot“ oder „Störenfried“ lassen sich nirgends Übersetzungen finden. Kurzum: unsere nördlichen Nachbarn sind die Darlings, die Golden Retrievers des Weltfußballs. Man krault sie gerne hinterm Ohr, weil man weiß, dass sie nicht beißen. Vorne im Sturm sind sie nämlich so durchschlagskräftig wie ein weichgelutschter Legostein. Wie alle Skandinavier sind sie gern gesehene Gäste, denn als Gastgeber kann man damit rechnen, dass sie keinen Nachschlag verlangen und die Teller sauber zurückgeben.

Nachbericht

  • Dieser Bert van Marwijk ist ein Fuchs. Lässt seine Jungs genau so spielen wie ich befürchtet hatte. Den Turnierschönspielpreis ganz dreist uns unterjubeln, um dann im Windschatten in der Runde der letzten 16 schön Gegner um Gegner nach Hause zu schicken. Ich fall da nicht drauf rein.
  • Die Niederlande tat sich lange schwer mit dem Gegner. In der ersten Spielhälfte hatten die Nordmannen gar die besseren Einschussgelegenheiten, agierten zudem roboterhaft diszipliniert in der Abwehr und machten die Räume dicht. In der 46. Minute aber landet eine Flanke von van Persie unglücklich auf dem Selbstzerstörungsknopf des Dänen Poulsen – bzzzzz – Rücken von Agger – Tor. Mir ein Rätsel, wo der den Ball hinköpfen wollte, das kann einfach nur ein technischer Defekt gewesen sein.
  • Mit dem Tor lief es lockerer, Robben auf der Ersatzbank konnte aufhören, hektisch seinen linken Oberschenkel zu dehnen. Ich schreib als Fazit mal zwei Sätze hin, die mir selbst Angst machen:
  1. Der Niederländer spielte heute fast ein wenig wie Deutschland 2002. Ein bisschen Dusel beim Führungstreffer, dann die Fitness in die Waagschale geworfen und die Punkte nach Hause gebracht.
  2. Wir Deutschen sind momentan die Niederländer des bisherigen WM-Verlaufs.
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2 Gedanken zu “Niederlande – Dänemark 2:0

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