Algerien – Slowenien 0:1

Vorbericht

  • Madjer. 1982. WM in Spanien.
    Da sind meine ersten Gedanken, wenn ich den Namen Algerien höre. Rabah Madjer hat unserer Elf nämlich damals einen in die Kiste gehauen, am Ende verloren wir 1:2 und nur durch ein herzhaftes Gemauschel mit den Österreichern sind wir eine Runde weitergekommen. Ich war zu dem Zeitpunkt gerade mal ein Pimpf von 11 Jahren, aber den Namen habe ich mir gemerkt. Die Algerier könnten uns im Achtelfinale erwarten. Ich blättere mal schnell in Wikipedia, ob der mittlerweile einen Sohn gezeugt hat, der uns wieder ärgern könnte. Puh, nein, sieht nicht so aus.
  • Algerien ist, so meine ich, der offizielle diesjährige Vertreter des WM-Projekts „Allah im Kampf um Punkte“ (Nigeria ist glaubenstechnisch ja eher so halb und halb). Tja, da waren unsere islamischen Freunde auch schon mal besser aufgestellt. Bei der letzten Afrikameisterschaft konnten sie den dritten Platz einfahren, Sieger wurde Ägypten. Wo sind die eigentlich? Ach ja, im Entscheidungsspiel zur WM geschlagen worden. Von den Algeriern. Wirklich erschreckend, dieser Hang zur Selbstdezimierung. Hätte man doch wie die überwiegende Mehrheit friedlich zusammen hinfahren können.
  • Ich will ja nicht anfangen wie der legendäre Reporter-Onkel Heribert Faßbender, der gerne mal von seinen nächtlichen Träumen zu berichten wusste, aber der folgende Albtraum ließ mich letzte Nacht nicht ruhen. Ich sitze an einen schlichten Holzstuhl gefesselt, um mich herum ein kahler, grauer Raum, dem nur eine funzelige Glühbirne Licht spendet. Die Tür geht auf, es treten drei Personen ein: zwei stämmige, osteuropäisch wirkende Männer im Trainingsanzug mit dem unverwechselbaren adidas-Schnitt der späten 70er Jahre. Ein bleicher, alter Mann im abgetragenen grauen Anzug mit strengen Gesichtszügen, einem Notizblock in der Hand und einem harten Akzent in der Stimme. „Sie sind also derjenige, der in seinem Panini-Album beinahe ein Klebebild der Slowenen bei den Slowaken eingeklebt hätte?“. Ich fange an, zu zittern.
  • „Ich gebe Ihnen eine Chance, diesen Raum ohne körperliche Schäden zu verlassen“, raunt der Mann mit schnarriger Stimme. „Sie sind unser Kandidat beim Quiz Slowake oder Slowene. Als Hauptpreis winkt die Freiheit. Liegen Sie falsch, überlasse ich Sie der Obhut meiner beiden Freunde hier, Jiri Drbr und Petr Dnbn – ehemalige tschechische Spitzenstürmer mit mittlerweile slowakischem Pass und exzellente Kenner der menschlichen Waden- und Schienbeinbelastbarkeit.“ Ohne Vorwarnung geht es los, mir stehen die Schweißperlen auf der Stirn. „Zlatko Dedic“ hallt es durch den Raum. Ich erinnere mich an die einsamen Stunden im Studierzimmer, an die beiden selbst ausgedachten Eselsbrücken: „-ic am Schluss ein Slowen‘ sein muss“ und „endet’s auf k, war der Slowake da“. „Slowene“, stöhne ich erleichtert. Keine Reaktion, der nächste Name wird ausgerufen: „Marek Hamisik“. „Slowake“. Mein Pulsschlag wird leiser. Ich weiß, ich kann es schaffen.
  • Nejc Pecnik. Valter Birsa. Filip Holosko. Rene Krhin. Martin Petras.“  -wene oder -wake, -WENE ODER -WAKE, brummt es durch meinen Kopf. Mein Hirn brennt, mein Körper ist ein einziger Krampf. Ich kann nur noch ein Wort formulieren, das meinem trockenen Mund just in dem Moment entflieht, da ich schweißgebadet aufwache: Sloweißnicht.
  • Der Slowene war – um das Ganze noch zu verkomplizieren – mit dem Slowaken in der Qualifikationsgruppe. Besiegte ihn in beiden Begegnungen, wurde aber nur Zweiter hinter ihm und musste deshalb Russland im Entscheidungsspiel besiegen. Hier wie da sind viele leidlich bekannte und fähige Spieler aus der Bundesliga im Aufgebot. Mehr kann ich nicht sagen. Macht selbst was draus. Ich muss jetzt das Bett neu beziehen gehen.

Nachbericht

  • Eine feine Einzelleistung des algerischen Torhüters entscheidet eine Partie, die ich aber auch wirklich nur mit der Käseflipstüte in Reichweite durchhalten konnte.
  • HipHop-Wark ist wieder da! Nur echt mit dem Yo! beim Torschussversuch. Aber nie, wenn der Ball dann auch reingeht. Putzig auch seine Einschätzung, als er Zinedine Zidane auf der Tribüne erblickt: „Anders als viele seiner Landsleute auf dem Platz hat er sich für Frankreich entschieden“. Viele? Nicht alle? Oder trabt am kommenden Donnerstag gegen Mexiko noch ein Algerier für die Franzosen über den Platz?
  • Mein Notizblock ist leer. Daher frage ich mal in die Runde, falls Teamarztanwärter mitlesen: mir schmerzt’s beim Treppensteigen derzeit böse im Knie (schlimm beim Runtersteigen, gerade noch so erträglich beim Hochsteigen). Auch zieht es in der linken Leiste. Was ist das? Kann man da noch was retten? Stehe ich die WM noch durch oder soll ich mich schon um einen kompetenzfreien Ersatzblogger kümmern?
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