Südkorea – Griechenland 2:0

Vorbericht

  • Keine gute Ansetzungspolitik der Turnierverantwortlichen: Samstag, leicht später Morgen, und dann direkt diese Knaller-Partie in die unausgeschlafenen Augen gedrückt zu bekommen ist mit Sicherheit kein guter Start ins Wochenende. Südkorea gegen Griechenland. Das wird ähnlich spannend wie das Duell einer Kampfmücke mit einer Panzerglasscheibe. Was auch den Spielverlauf ziemlich genau treffen dürfte.
  • Bei den Asiaten regt sich in mir ja immer der Beschützerinstinkt. Als wären es die eigenen Kinder. Voll väterlichem Stolz möchte man rufen: „Seht nur, wie putzig sie über den Rasen huschen“, „Ja, Lee, das nächste Mal schießt du bestimmt ins Tor“ oder „Jetzt schubs doch den Kim nicht weg, du Riesenrüpel, hau gefälligst Spieler in deiner Größe um!“. Aber es hilft ja nichts. Im Mittelfeld können die Racker alles, aber wenn sie vorne treffen, zuckt man als Zuschauer vor Überraschung zuerst einmal erschreckt auf. Tragischerweise ist hinten die Verteidigungsmauer wie jedes Jahr evolutionsbedingt zwei bis drei Ziegelsteinreihen zu niedrig ausgefallen. Was bedeutet: einer kullert immer mehr rein als beim Gegner und heim geht’s, neue Unterhaltungselektronik produzieren.
  • Griechenland ist abgebrannt. Nicht nur finanziell, sondern auch spielerisch. Man nagt sozusagen am letzten Grillspieß. 2004 hielt die Verteidigung alles dicht, vorne hoppelte Harry Charisteas den Ball einmal pro Spiel über die Linie und schon war man Europameister. 2006 erst gar nicht qualifiziert, 2008 meinen Ehrenpreis für unattraktives Ballspiel vor zahlenden Zuschauern erhalten und 2010 gerade so reingerutscht, weil man die Ukrainer in der Relegation zu Tode gelangweilt hat. Keine ruhmvollen Meriten für Otto und seine Jünger, die durch die Nominierungspolitik des Trainers eher Ältere sind. Schließlich lässt Rehhagel gewohnheitsmäßig nichts in seine Auswahl, was noch unverheiratet ist, kein Kind gezeugt hat und noch keine Aussicht auf einen Frührentenbescheid glaubhaft darlegen kann.
  • Wieder muss ich zur Eigenmotivation auf einen Trick zurückgreifen; ich wette bei Oddset auf den Spielausgang. Freilich nicht allein für dieses Spiel, sondern gleich für mehrere. Aber mit dieser Partie fange ich meine Reihe der Tipptriumphe an. 2006 wurden einem von den Internetanbietern ja die Guthaben noch nachgeschmissen, aber wegen des Verbots des Glücksspiels über das Internet muss ich nun 2,50 Euro plus 50 Cent Gebühren aus eigener Tasche raushauen. Aber das ist es wert, wenn ich mir dafür einen abschreien kann, damit die Südkoreaner ein Unentschieden holen. Auf einen Sieg zu setzen habe ich mich wirklich nicht getraut.

Nachbericht

  • Jetzt musste ich vor Verfassen dieses Beitrag doch schnell mal im Haus herumlaufen und prüfen, ob ich nicht die letzten 105 Minuten in einer Parallelwelt gefangen war. Ich meinte schon während des Spiels dauernd das Thema von Terminator 2 bei den Trommeln raushören zu können. T5 – Gefangen im Hummelschwarm. Jetzt mit alternativen Welten statt Zeitreisen. Während der Hymnen schon die erste Anomalität: ein Südkoreaner salutiert, ich hatte meinem Teilzeitarbeitgeber PPP (Prima Propaganda Pjöngjang) schon einen Glückwunsch zum ersten Überläufer telegrafiert. Aber die meinten nur, der sei halt beim Militär und deshalb etwas sonderbar.
  • Der Südkoreaner plötzlich 1,82 m im Schnitt groß, erzielt Tore, hat sogar eine verdammte Kopfballchance in der zweiten Hälfte! Der Grieche mit zwei(!) Stürmern. Also gleichzeitig auf dem Platz, meine ich jetzt. Und so 20 Minuten vor Ende drängen die Hellenen nach vorne und schießen aufs Tor! Da kann man doch wirklich auf den Gedanken kommen, dass jemand an der Raum-Zeit-Krümmung gedreht hat.
  • Lee, frei wie der Wind, hat tatsächlich einen reingemacht. Ich wusste es doch. Der Rest der Mannschaft aber auch sehr gut im Kombinations- und Konterspiel. Die Griechen hingegen geschockt von ihrer eigenen Aufstellung. Otto wird ganz schön sauer sein. „Da will man mal modernen Offensivfußball spielen und kriegt gleich einen drauf. Gegen Nigeria gibt’s wieder Beton, ihr könnt mich alle kreuzweise!“. Sprach’s und verschwand im Hotel Akropolis zwecks Ouzovorrätevernichtung.
  • Insgesamt ein verdienter Sieg der Südkoreaner, die sich in mein Herz gespielt haben. Nur hinten schaut es immer noch nicht so ganz sattelfest aus. Mit meinem Tipp lag ich himmelhochweit daneben, aber nach dem Gurkenkick gestern Abend kann ich den Rackern einfach nicht böse sein.
Advertisements

4 Gedanken zu “Südkorea – Griechenland 2:0

  1. Jepp, Unentschieden habe ich auch getippt, 1:1. Gestern hatte ich den Franzbrötchen mehr zugetraut, boah war das ein lahmer Kick! Wenigstens gibt’s heute drei Spiele statt nur zwei, je mehr Tipps, desto größer die Spannung! 🙂

  2. Ich glaub, zu den Griechen hält gar keiner mehr. Okay, möglicherweise noch die Landesbevölkerung. Das Franzbrötchen ist alt und schal geworden, meine liebe Sophie. Musste ich auch schmerzvoll erfahren.

    Richtig, mehr Spiele, mehr Spannung. Und mit Argentinien und England heute zwei Mannschaften, die sich rühmen, Fußball spielen zu können.

  3. Jepp, da gehen sogar meine gewohnt konservativen Tipps in Bereiche, die deutliche Überlegenheit der genannten Mannschaften andeuten.
    Das mit den Franzbrötchen ist ein Kult-Witz, bitteschön!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s