Argentinien – Nigeria 1:0

Vorbericht

  • Von dem Titelfavoriten Spanien sagt man gerne, dass sich die Mannschaft eigentlich nur selbst schlagen kann. Bei Argentinien ist es fast genauso, hier kann aber auch Diego Maradona mit seiner schier überbordenden Kompetenz die Albiceleste aus dem Turnier kegeln. Als Fußballspieler war der Mann zweifellos mindestens ein Halbgott, als Trainer… nun ja. Gerne nominiert er mal Spieler, die im Krankenhaus liegen, fordert Journalisten zu homoerotischen Abenteuern heraus und ich würde mich nicht wundern, wenn die Torhüter im Training eigens geschneiderte Leibchen trügen, um nicht Gefahr zu laufen, im Spiel später als Stürmer eingesetzt zu werden.
  • Im Hintergrund werkelt die Trainerlegende Carlos Bilardo und wenn es die Truppe um die Superstars wie Messi, Higuain, Milito und Tevez schafft, ihren offiziellen Übungsleiter als eine Art Maskottchen zu sehen, das ihnen ab und an mal den Allerwertesten entgegenstrecken darf und im Gegenzug den Bauch gekrault bekommt, könnte bei dem Tunier mehr rausspringen als bei der grauenvoll mies eingespielten Qualifikation.
  • Bei der WM 2006 schrieb ich über die Schweden, die später gegen die deutsche Mannschaft im Achtelfinale antreten und ausscheiden durften: „Müssen die Schweden halt 2010 in Südafrika was reissen. Der Skandinavier fühlt sich in Gefilden südlich des Äquators ja auch sofort heimisch..“
    Das haben wohl irgendwelche Verantwortliche in afrikanischen Fußballverbänden tatsächlich ernst genommen (dass sich die Schweden erst gar nicht qualifiziert haben, ist ihnen hingegen entgangen). Weshalb Nigeria nun von dem ehemaligen schwedischen Trainer Lars Lagerbäck trainiert wird. Den Auftritt dieses Mannes als dröge zu bezeichnen, ist schon ein Ausbund an Untertreibung. Ich stelle mir den ersten Arbeitstag als ein richtiges Aufeinanderprallen zweier Kulturen vor; wo der Nigerianer es gewohnt war, gleich zu Beginn eine Voodoopuppe des gegnerischen Torwarts ins Torkreuz zu hängen, ein frisch geschlachtetes Hühnchen am Anstoßpunkt zu vergraben und sich mit dem Ball am Fuß vom eigenen Strafraum aus nach vorne zu dribbeln, muss er nun radikal umdenken. Quälend lange Seminare im kollektiven Knäckebrotkauen, Elchkuhniederstarren und Blutdruckmessen stehen auf dem Programm, um das aufbrausende Temperament der Westafrikaner zu zähmen. Und wozu? Für’s Achtelfinale, wo nach alter schwedischer Tradition Schluss sein wird.
  • Nigeria muss auf John Obi Mikel verzichten. Ganz schlimme Sache. Ich kenne den Mann nicht, aber was da an möglichen Werbeeinnahmen für das Handwerkerfachmarktwesen verloren geht, ist schon verdammt traurig.

Nachbericht

  • Die Gauchos mit einer Anfangsoffensive, da drückt’s dir die Stollen in die Sohle. Heinze mit Flugkopfball in den Winkel, das sagt dem Gegner schon gleich: „Euch schieben wir nicht die 08/15-Kuller rein, hier setzt es Abschlussfeinkost. Aber reichlich!“ Reichlich ist es zwar dann doch nicht geworden, weil das Messi-As noch nicht gestochen hat.  Wenn ich den Ritchie jedoch so den Rasen pflügen sehe, wird mir schon Angst und Bange vor einem möglichen Viertelfinale gegen unsere Jungs.
  • Aber auf die Nigerianer lass ich auch nichts mehr kommen. Bisher konnte ich die nicht so recht einschätzen, deshalb das ganze Ablenkungsgefasel um den Schweden-Lars im Vorbericht. Das wird verdammt emotional, wenn ich am Ende der Vorrunde entweder von denen oder meinen Südkoreanern Abschied nehmen muss. In dem Zusammenhang: Otto kann heute Abend schon mal die Frühbucherangebote für die Rückreise studieren.
  • Der Reporter (dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, was immer ein gutes Zeichen ist, weil er mich dann nicht genervt hat) hat es erwähnt: die afrikanischen Torhüter sind sehr stark. Früher stand stets ein großes „Heieiei“ und „Uuiuiui“ auf dem Programm, Veteranen wie ich erinnern sich auch gerne an die südamerikanischen Pendants, aber mittlerweile ist da Qualität auf breiter Ebene eingezogen.
  • Fazit: hochklassige Partie, die auch 3:2 hätte ausgehen können. Tolle Tempo-Vorstöße der Argentinier, starkes Dagegenhalten der Nigerianer, ab der zweiten Hälfte ein Duell auf Augenhöhe. Nur den Maradona mit seiner affektierten Poserart kann ich weiterhin nicht leiden. Wenn der Weltmeister werden sollte, trabt der sicher nicht getragen kaiserlich über den Rasen wie unser Franz 1990 in Rom. Der reißt sich die Kleider vom Leib, steckt sich eine Tröte in den Hintern und pupst die Nationalhymne.
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