Uruguay – Frankreich 0:0

Vorbericht

  • Ab ins Turnier startet nun der Uru… Uruguay… – schon geht’s wieder los! Wie heißt denn nun der Kicker aus Uruguay? Uruguayese? Uruguayaner? Uruguayer? Von mindestens einem Sportreporter erwarte ich die Wortschöpfung Uruguano, was phonetisch verdammt nah an künstlich zusammengeklebter Vogelscheiße liegt. In trefflichster Umschreibung seiner Kommentierfähigkeiten kann das eigentlich nur Fritz von Thurn und Taxis bringen, den ich dank fehlendem PayTV auch dieses Mal nicht zu ertragen die Ehre habe. Der ist doch nicht etwa mittlerweile bei RTL gelandet, oder?
  • Den Uru muss ich in Schutz nehmen. Viel Schändliches wird ihm nachgesagt. Dass er schon im Jugendtrainingslager gedrillt wird, den eh schon kärglichen Baumbestand seines Landes mit Fußballschuhen umzutreten. Dass seine Spielphilosophie aus Spucken, Beissen und Grätschen besteht. Dass er den Argentinier und Brasilianer neid- und hasserfüllt anblickt, bevor er zur gepflegten Kreuzbanddehnung ansetzt. Nicht vergessen darf man jedoch, dass der Name seines Heimatlandes offiziell „Republik Östlich des Uruguay“lautet. Östlich von einem Fluss zu leben ist nun wahrlich keine Leistung, auf die man groß stolz sein könnte. Vor allem nicht, wenn im Westen und Norden die erwähnten Fußballgroßmächte des Kontinents residieren. Der Uru ist insoweit quasi der Ossi Südamerikas, alleine deshalb aus Prinzip schlecht drauf und kein Freund der Ballpflege und Gegnerschonung. Angesichts dieses Schicksals sollte man Nachsicht walten lassen.
  • Vom Kader kenne ich außer Diego Forlan, dem blonden Stirnband von Atletico Madrid, niemanden. Vertreter europäischer Spitzenvereine sind weit und breit nicht zu sehen. In der Qualifikation reichte es gerade für den letzten Platz, der zur Teilnahme an der WM berechtigte. Das könnte selbst zu wenig sein, um die Franzosen in ihrer mittlerweile berüchtigten Turnierfrühform in Unpässlichkeiten zu stürzen.
  • Der französische Fußballfreund hat ein Problem. Mit seinem Trainer Raymond Domenech, auch bekannt unter dem Spitznamen „Der verwirrte alte Mann“, kann er so überhaupt gar nicht. Selbst Guido Westerwelle soll bereits beim Trainerstab angeklingelt und begeistert angefragt haben, wie man mit diesen Popularitätswerten so lange im Amt bleiben kann. Als Saarländer wundere ich mich mittlerweile schon nicht mehr über Franzosen, die in grenznahen Supermärkten anstehen, um in stiller Umarmung mit einer Jogi-Löw-Nivea-Promo-Pappfigur zu verharren und sehnsuchtsvoll aufseufzen.
  • Machen wir uns doch nichts vor: in den vergangenen Jahren hat die équipe tricolore größtenteils merde brûlée gespielt. Vor allem die WM 2002 und die EM 2008 mit jeweils einem souveränen letzten Platz in der Vorgruppe gingen zurecht als le grand kaq in die Annalen der französischen Fußballhistorie ein. Und wenn wir ehrlich sind, lief es 2006 auch nicht so flüssig – aber es reichte fürs Finale.
  • Wenn es einer reißen kann, dann der Franck. Der Ribéry. Während Henry noch im Handbuch blättert oder Anelka sich während des Herumtrottens fragt, weshalb er schon wieder mitspielen darf, läuft der Mann mit der 7 auf dem Rücken querfeldein und querfeldaus. Passt hier, passt da – et voilà. Allerdings befürchte ich, dass seine Reisen beim Zusammentreffen mit einem uruguanostischen Abwehrbein mehr als einmal in einer selbstgerollten Kuhle von gut zwei Zentimetern Tiefe enden werden. Ich tippe auf mindestens 5 Bilderbuchfouls gegen den dynamischen Balltreiber. Wer bietet mehr?

Nachbericht

  • Ein Spiel, dem man wahrhaftig nicht den Vorwurf machen konnte, unterhaltsam gewesen zu sein. Der erste Höhepunkt und zugleich untrügliches Anzeichen, dass RTL die Partie überträgt: gnadenloses akustisches Draufhalten beim Schiefsingen der Nationalhymne Uruguays durch die Landesauswahl. Menschliche Fehlleistungen schonungslos in Aug‘ und Ohr zu transferieren, ist ja eh der ultimative Anspruch des Senders.
  • Für mich zur persönlichen Hymne des Spieles wurde allerdings MAAACH DEN KLIIINSMANN WACH, JA, MACH DEN KLINSMANN WACH, GEH HIN UND MACH DEN KLINSMANN WACH zur Melodie von „Ihr könnt nach Hause fahren“. Jürgen Klinsmann ist unbestritten ein Experte für den uruguayischen und französischen Fußball. Wer erinnert sich nicht an seine Großtaten rundum Montevideo und Paris, beide Städte liegen ihm seit seinem ruhmreichen Abgang mit dem Gewinn des „Die hauen wir doch weg“-Motivationspokals in Blech bekanntermaßen zu Füßen.
  • Zahnfleischanschwellende Spannung deshalb auf der Couch, wenn es wieder soweit war und Klinsi etwa alle 15 Minuten geweckt wurde, um seine hautnah an den Mannschaften ansetzende Analyse ins Mikro zu husten. „Das wird noch richtig spannend“, „Die Partie verläuft quälend“ – nur zwei Weisheiten, auf die ich niemals selbst gekommen wäre. Deshalb kriegt der Mann auch von RTL die große Kohle und ich warte immer noch auf meine erste Beflattrung gnadenhalber.
  • Jubel beim Platzverweis von Nicolas Lodeiro: wenn schon nichts läuft, dann doch wenigstens das gute alte Vorurteil bestätigt und die corporate identity geschärft. Die Franzosen haben es hingegen wirklich geschafft, meine kärglichen Hoffnungen noch zu unterbieten. Ribéry lustlos und der Rest wusste auch nicht, was er mit dem Rasen und Spielgerät jetzt genau anfangen sollte. Nicht mal meinen lausigen 0:1 Tipp haben die Platzschlurfer in die Realität umsetzen können, ich bin ernsthaft sauer.  Gäbe es ein Voting, ich würde Südafrika und Mexiko direkt fürs Achtelfinale nominieren.
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6 Gedanken zu “Uruguay – Frankreich 0:0

  1. Pingback: Tweets that mention Uruguay – Frankreich « Das unfassbar kompetenzfreie WM-Tagebuch -- Topsy.com

  2. Auch wenn ich jetzt der bin, der nur meckern kann, selbst wenn Ini auf wordpress bloggt: Könntest su Vor- und Nachbericjt in zwei Beiträge splitten? Ich seh im Feedreader sonst immer nur die Vorberichte und bin doch viel zu faul beschäftigt, hier persönlich vorbeizuschauen…

  3. Wird das im Feedreader nicht auf den neusten Stand gebracht? Bei blogger geht das, sonst stünden dort ja immer die ganzen Beiträge mit den ganzen schönen Fehler, die ich immer noch schnell wegeditieren muss. Ist beim Eröffnungsspiel etwa noch der Satz mit Nelson Mandela zu lesen? Wäre mir ganz schön peinlich.

    Ansonsten: ich würd’s schon gerne so lassen. Ist doch auch ganz kuschelig hier drin.

  4. Pingback: Uruguay gegen Costa Rica | Das unfassbar kompetenzfreie WM-Tagebuch

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