Tag 23: …aber es ist spannend

POR – FRA 0:1

[Vorbericht]

– Mahlzeit allerseits. Na, heute schon wieder gemeckert und mürrisch gewesen? Auch verzweifelt nach Möglichkeiten gesucht, die Italiener als unverdiente Sieger zu brandmarken? Wer hat denen überhaupt den Weg zum gegnerischen Strafraum gezeigt? Hätten die mal schön die 120 Minuten nur hinten gestanden und dann diese gemeinen Tore erzielt, alles wäre in Ordnung gewesen. Was hätten wir auf ihnen herumtrampeln können. Auf nichts kann man sich mehr verlassen.

– Einen Trost und eine Motivation für heute Abend habe ich aber doch. Wer das Spiel gewinnt, wird Weltmeister. Da lege ich mich jetzt schon fest. Der Grund für diese Einsicht? Fabio Grosso, der Torschütze von gestern. Wir und die Australier erinnern uns: das war der feine Herr, der im Achtelfinale so gekonnt über einen Socceroo gestolpert ist und den Elfmeter wenige Sekunden vor Schluss herausholte. Der Mann der ganz späten und ganz schmerzlichen Tore also. Karma lässt sich derartiges auf Dauer nicht gefallen (wer es nicht glaubt, sollte mal „My Name Is Earl“ gucken). Zur Strafe darf Signor Grosso folglich in der 121. Minute des Finales eine harmlose Hereingabe ins eigene Netz befördern.

– Frankreich oder Portugal? Die einen haben die bräsigen Brasilianer, die anderen die käsigen Holländer rausgeworfen. Und die Engländer. Leichter Punktvorteil für Luis Figos Mannen auf meiner Sympathieskala also. Die armen Franzosen haben allerdings ein Handicap: die müssen das Elfmeterschießen verhindern, weil Barthez bestimmt jeden reinlässt und Ricardo keinen. Der alte Mann Zidane hätte es auch verdient. Okay, allez les bleus.

[Nachbericht]

– Félicitations. Frankreich steht im Finale. Damit wird es keinen Neuzugang im Weltmeister-Club geben. Mit Scolari und Deco sind auch die letzten Brasilianer draußen. Kein tolles Spiel, aber alleine wegen der peinlichen Schwalbereien von Ronaldo ein verdienter Sieg für die Franzosen.

– Am Samstag spielen unsere Jungs also gegen Portugal. Wahrscheinlich deren B-Elf. Das erinnert mich doch an eine kleine Rechnung, die wir mit denen offen haben. EM 2004, letztes Spiel der Vorrunde, werfe ich als Stichwort in die Runde. Schön, dass die DFB-Elf zum Schluss noch einen Makel beseitigen kann.

– Es ist noch früh, aber ich küre bereits jetzt den unnötigsten Halbsatz dieser WM. Er folgt meist, nachdem der Kommentator die schwache Qualität der Partie eingesteht und lautet:

…aber es ist spannend.

Alle Spiele ab dem Achtelfinale sind spannend, so lange es unentschieden steht. Weil noch nicht fest steht, wer rausfliegt. Genau so gut könnte ich darauf hinweisen, dass jede Mannschaft auch bei dieser WM mit einem Torwart antritt.

– Spannend wird auch das Finale, da bin ich mir sicher. Solange Fabien Barthez im Tor der l’équipe tricolore steht, darf sich der Zuschauer schon jetzt wieder auf lustige Paraden und irre Ausflüge im Strafraum freuen.

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