Tag 16: Ausscheidungsspiele; Maradonas abgebrühtes Töchterlein

[Prolog]

– „Heute beginnen die Ausscheidungsspiele. Nein, damit sind keine Festwochen für Proktologen gemeint“.

Ich überlege gerade, wem ich diese Anmoderation zutraue. Kerner? Nein, der weiß nicht, was Proktologen sind. Kloppo? Der fliegt sofort bei Mainz raus. Meiers Urs? Darf nie wieder eine Pfeife in die Hand nehmen. Einer aus dem „Nachgetreten“-Panel? Nein, zu intellektueller Ansatz. Der Franz? Ja, der Franz bringt den. Und die Bild-Zeitung analysiert tags darauf die Stuhlproben aller Nationalspieler mittels anerkannter Parapsychologen.

– Ausscheidungsspiele sind die besseren Spiele. Sicher, auch hier kann es zu üblem Gegurke auf dem Feld kommen. 0:0 zur Halbzeit, 0:0 nach 90 Minuten, 0:0 nach 120 Minuten. Aber selbst wenn das anschließende Elfmeterschießen so langweilig wird, dass der eine Torwart dem anderen den Ball vor Entkräftung nicht mehr ins Netz schieben kann, steht doch eines fest: einer darf nach Hause fahren.

– Da sind sie dann wieder, die Momente für Liebhaber großer Emotionen. Je südlicher die Lage des betroffenen Landes, desto hemmungsloser wird geheult. Das entschädigt für vieles, wenn ganze Landstriche im Tränenmeer versinken oder das Haus des Trainers/eine Puppe des Schiedsrichters öffentlich verbrannt wird.

GER – SWE 2:0

[Vorbericht]

– Die Schweden sind emotional doch eher unterkühlt, deshalb können die ruhig aus dem Turnier rausfliegen. Ich höre schon die Pressekonferenz des Trainers Lagerbäck vor meinem geistigen Ohr:

„Wir sind draußen. Hat nicht sollen sein. War aber schön hier. Vielleicht ein bißchen zu warm. Ich muss weg. Mein Elchgeschnetzeltes wird kalt. Tschau.“
Wir Deutschen hingegen sind vom Weiterkommen abhängig. Alle sind gut drauf, alle sind euphorisiert, das Bundesmerkel kann schöne neue Steuern erfinden oder die alten erhöhen, damit unser Land noch weiter vorwärts kommt. Wäre doch schlimm, wenn das alles enden sollte.

– Wahrscheinlich laufen die Schweden diesmal mit Ibrahimovic auf, dem Mann mit dem schwedischsten aller schwedischen Namen. Beunruhigt mich in keinster Weise, unser Klose hat schon mehr Tore erzielt, wie die ganzen Nordmänner zusammen. Das sollte eher denen zu denken geben.

– Ein weiterer klarer Sieg im Bereich der Haarschmuckanalyse: Schweden-Jedi Wilhelmsson mit seinem Star Wars-Episode 2-Gedenkzopf hat keine Chance gegen Schweinsteiger, dessen Frisur zu verfilmen sich noch kein Regisseur dieser Erde gewagt hat.

– Natürlich werden die Experten heute wieder anfangen: die Deutschen haben seit dem 0:1 in Wembley nicht mehr gegen eine Spitzenmannschaft gewonnen. Müssen sie auch nicht, um Weltmeister zu werden. Nach den Schweden im Achtelfinale kommen die Mexikaner im Viertelfinale und gegen die spielen wir ja fast immer bei Weltmeisterschaften. Halbfinale Ecuador und Finale Australien. Okay, die sind zäh, aber die knacken wir im Elfmeterschießen.

[Nachbericht]

– Sensationell, was dieser Klose zusammenspielt. Die Vorbereitungen zu den Treffern von Podolski waren ganz, ganz großes Fußballkino. Da kann sich der Ballack voll und ganz auf die Distanzschüsse konzentrieren, die ab dem Halbfinale dann hoffentlich alle reingehen. Ich bin verblüfft.

– Die Taktik von Klinsmann kristalliert sich immer mehr heraus: Demoralisierung des Gegners durch a) frühe Tore (der gemeine englische Journalist wird für morgen wieder das Wort vom Blitzkrieg entstauben), b) Platzverweis, und c) angetäuschtes Herankommenlassen, um gegnerisches Versagen zu provozieren (Elfmeter). Die Schweden waren so fertig, die haben dem Metzelder sogar den liegengebliebenen Schlappen weggekickt, um wenigstens ein Erfolgserlebnis zu haben.

– Wenn es so weitergeht, vor allem, wenn wir gleich zu Beginn jedem Gegner zwei Tore reinhauen, werden wir Weltmeister. Davon erholt sich kein europäisches Spitzenteam und die Südamerikaner verlieren die Spiellust und holzen drauf los. In dem Fall gilt: ruhig weiterspielen und ausbluten lassen.

ARG – MEX 2:1 n.V.

[Vorbericht]

– Wie schon im Prolog beschrieben, hier ist das große Heulen garantiert. Ich weiß jetzt nicht, wen ich lieber ins Taschentuch schneuzen sehen will: Maradona oder den mexikanischen Trainer La Volpe. Wobei ich nicht glaube, dass La Volpe weinen dürfte. Der muss wohl eher zügig die Rückreise buchen, weil er a) gebürtiger Argentinier ist und b) sein Haus brennt.

[Nachbericht]

– Argentinien ist also unser Gegner im Viertelfinale. Abgesehen von diesem richtig abgefahrenen Siegtreffer (der wieder die Frage aufkommen lassen wird, ob die Mexikaner nicht mal bald einen 2 Meter-Schlaks für die Torwartposition heranzüchten sollten) darf man aber konstatieren: die Gauchos kochen auch nur mit Wasser bzw. spielen den Ball auch nur mit dem Fuß.

– Der Einzige, der mal die Hand benutzt hat, wurde heute wieder in kaiserhaften Posen auf den Zuschauerrängen abgelichtet. Keine Sorge, Maradona, im Viertelfinale ist Schluss und das kann ich sogar begründen. Schuld ist nämlich dein Töchterlein, das ausgebuffte Früchtchen.

– Wer hat diese Szene auch mitbekommen? Kurz vor Ende der regulären Spielzeit sah ich Maradonas Kleine, wie sie sich zuerst bekreuzigt und direkt danach mit jeweils gespreiztem kleinem Finger und Zeigefinger (der Fachmann nennt das Pommesgabel oder Teufelszeichen) die Händchen in die Luft schüttelt. Sowohl den lieben Herrgott als auch den Teufel um Beistand bitten, ist grob unfair. Quasi die religiöse Blutgrätsche von hinten. Da wir bekanntlich Papst sind, setzt es deshalb am Freitag eine Klatsche, dafür sorgen schon unsere beiden Stürmer, die ja nationentechnisch doppelt Papst sind. Sowohl aktuell als auch vorher.

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