Tag 10: Beckenbauer & Takamodo; Ronaldos gute Bewegung

JPN – CRO 0:0

[Vorbericht]

– Die Japaner sind die Stars der WM. Also zumindest hier im Saarland. Weil sie als eine der wenigen Mannschaften auf saarländischem Boden genächtigt haben, bevor sie nach Kaiserslautern fuhren, um sich dort eine verdiente Klatsche gegen die Australier abzuholen. Eine Angestellte des Hotels erlangte sogar Ruhm in den lokalen Medien, weil sie etwas zu Takahara im Aufzug gesagt hat. „Wie geht es?“ waren glaube ich die genauen magischen Worte. Frech und spektakulär zugleich. Aber so sind wir Saarländer.

[Nachbericht]


– Die Welt zu Gast bei Freunden. Schon vorbildlich, dass unser Kaiser sich zu Beginn des Spiels reichlich Zeit genommen hat, der japanischen Prinzessin die „FIFA-Sicherheitsauflagen bezüglich des Mitführens von Fotoapparaten“ zu erklären. Wie Hinterlegung des Personalausweises, Abgabe einer Urin- und Blutprobe, Einverständniserklärung zu spontanen Gentests sowie Aufnahme in die Fahndungskartei von Europol. Zur zweiten Hälfte hat sich der Franz dann sicherheitshalber aus dem Staub gemacht. Man will ja nicht mit drinhängen.

– Pierre Littbarski diesmal mit einer deutlich unaufgeregteren Kommentatorleistung. War letzten Sonntag ja auch hibbeliger als ein japanischer Vorschüler, der seiner Origami-Lehrerin unter den Kimono gelinst hat.

– Die Japaner nehmen das mit den Fußballregeln auch nicht so genau. Zico hat denen wahrscheinlich im Training hundertmal eingebläut: der Stürmer muss den Ball über die Torlinie schießen, der Torwart den Ball an der Überquerung derselben hindern. Aber im Spiel haben es seine Jungs wieder verkehrt herum gemacht.

– Fazit des Spiels: Australien ins Achtelfinale. Bitte.

BRA – AUS 2:0

[Vorbericht]

– Das erwartete Duell zwischen den zum Start wenig überzeugenden Durchwurschtlern und den souveränen Siegern ihrer Auftaktpartie. Bei BRA denkt der amerikanistisch geschulte Mensch ja zuallererst an Büstenhalter, weshalb diesmal vielleicht auch ein paar Leute jenseits des großen Teiches die Kiste einschalten. Woraufhin sie mächtig enttäuscht sein dürften, weil wieder nur Männer einem Ball hinterher rennen. Und BH trägt auch nur ein einziger, nämlich die #9 bei den Brasilianern. Diesen Witz hätte ich Reinhold Beckmann für verdammt viel Geld verkaufen können, aber der kommentiert heute ja leider nicht.

[Nachbericht]

– Der Kommentator war richtig herzlich bemüht, den Ruf von Ronaldo wieder herzustellen und erwähnte sogar die „guten Bewegungen“ des Stürmers. Wäre vielleicht eine interessanter Anreiz für Fußballstatistiker, diesen Parameter neben Toren und Vorlagen zukünftig mit zu berücksichtigen. Ronaldo: 0 Tore, 1 Vorlage, 1 gute Bewegung.

– Ich wiederhole es gerne nochmal: die Australier gehören ins Achtelfinale. Wo die Argentinier zwar dafür sorgen werden, dass sie rausfliegen, aber egal. Die Aussis haben ordentlich Druck gemacht und dagegen gehalten, hat mir imponiert.

– Die Brasilianer hingegen erneut kaum mit magischen Momenten. Spielten zu Beginn auch nur hinten rum, bis der Ball weg war. Erst nach dem 1:0 einigermaßen ansehbare Spielzüge. Ich bin mir nicht mehr so sicher, ob die wirklich Weltmeister werden.

FRA – KOR 1:1

[Vorbericht]

– Die Franzosen. Die Trostlosen. Mehr mag ich gar nicht schreiben. Befinden sich auf dem besten Weg, die WM 2002 nachzuspielen. Bekomme ich während des Spiels sicher wieder Gelegenheit, meinen liebsten französischen Unmutsausdruck „zut alors“ oft und herzlich zum Besten zu geben. Dafür hätte der Zidane nun wirklich nicht zurückkommen müssen.

[Nachbericht]

– Quelle surprise. Eigentlich wollte ich schon nachschlagen, was „todlangweilig“ auf französisch heißt. So allerdings gilt es dem alten Trainerfuchs Advocaat ein Lob zu zollen: 80 Minuten konsequent ohne Sturm spielen, obwohl man zurückliegt und trotzdem am Ende einen Punkt mitnehmen. Demütigender geht es eigentlich nicht mehr.

– Ich bin kein Fan von Fabien Barthez, vielleicht bilde ich es mir deshalb ein, aber meiner Meinung nach sieht der wirklich bei jedem Tor unbeholfen aus. Ein etwas größerer Keeper hätte den Streichelball von Park Ji Sung über die Latte gelenkt. Gregory Coupet dürfte in der 81. Minute drei Paar Handschuhe zerbissen haben.

– Den Franzosen würde ich keine Träne nachweinen, wenn sie es nicht ins Achtelfinale schaffen sollten. Nur um den großartigen Zinedine Zidane täte es mir leid; könnte der nicht schnell bei einer anderen Mannschaft als Gastspieler mitmischen, um einen würdigen Abschied zu bekommen?

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