Tag 6: Klitschkos Blinis; Ausschlussverfahren Tunesien; Neuville with the kill

ESP – UKR 4:0

[Vorbericht]

– Gestärkt durch die exzellente Position bei meinem derzeitigen WM-Tippspiel (#60 von 71), lehne ich mich nun weit aus dem Fenster und prognostiziere: die Spanier schießen heute kein Tor. Der Grund hat einen gemeinsamen Namen: Klitschko. Einer von denen steht wahrscheinlich schon vor der Kabine der Spanier und brutzelt für eventuelle Torschützen Blinis zusammen – mit dicke Hefe und viiiiel saure Sahne.

[Nachbericht]

– Schon bemerkenswert, wie ich dem Begriff „kompetenzfrei“ in der Überschrift wieder alle Ehre mache. Ich überlege gerade, ob ich nicht noch ein „erwiesenermaßen“ voranstellen soll.

– Es hing wohl auch damit zusammen, dass ich den spanischen Trainer Aragones unterschätzt habe. Der soll laut Vorberichterstattung desöfteren den Wunsch hegen, sich Begrüßungsblumensträuße rektal einzuführen. Würde mich nicht wundern, wenn der seinen Jungs zur Abhärtung täglich Einläufe aus saurer Sahne und Paella verordnet hätte.

– Dem schweizer Schiri rate ich, die nächsten Wochen keine Essenspakete aus der Ukraine anzunehmen. Vor allem nicht, wenn als Absender „Gebrüder Klitschko“ draufsteht. Stichwort Elfmeter und rote Karte.

– Auch ärgerlich: ich hatte mehrere richtig billige Wortwitze für den spanischen Superstar Raul ausgearbeitet, basierend auf dem saarländischen Dialektbegriff „raulich“ (=schwächlich, abgemagert, ausgemergelt). Die kann ich nun alle in die Tonne treten. Dafür streiche ich flott die Ukrainer aus meiner Favoritenliste und trage dafür die Spanier ein.

– Der Beckmann ist ein knallharter investigativer Hund. Was der gemacht haben muss, um der Mama von Puyol die Story mit dem Superman-Dress zu entlocken – ich will gar nicht drüber nachdenken.

– Tadelnswert hingegen: der Shevchenko hat rein gar nichts hinbekommen, was unser gestriger Diätberater ganz unkritisch akzeptiert hat. Aber den Ronaldo in die Pfanne hauen, nur weil der ein wenig Hüftgold aufträgt. Der hat wenigstens einen Schuss haarscharf über den Kasten gezimmert. Als stolzer Träger eines kleinen Speckgürtels sage ich „Pfui, Herr Beckmann“.

– (Bei mir fällt der Speck übrigens nicht so ins Gewicht. Wegen meiner straffen Brustmuskulatur und meiner Körpergröße von 1,89 m. Okay, hauptsächlich wegen meiner Körpergröße)

TUN – KSA 2:2

[Vorbericht]

„Das gugg isch net“. So die Worte meines Bruders zum Spiel. Und in der Tat, bei dieser Begegnung trennt sich die Spreu vom Weizen, der kritische Spielkunstliebhaber vom fanatischen Rasenanbeter. Ich kann noch nicht sagen, zu welcher Kategorie ich gehöre. Sicherheitshalber überlege ich mir bereits Dinge, die ich parallel erledigen könnte. Blinis zubereiten zum Beispiel.

[Vorbericht, Teil II]

– Die Entscheidung ist gefallen: Tunesien gegen Saudi-Arabien wird für mich das bisher emotionalste Spiel. Denn ich habe aus Gründen der Selbstmotivation 5 Euro darauf gewettet, dass Tunesien zur Halbzeit führt und das Spiel gewinnt. Die schrei ich zum Sieg und wenn es mir die Lungenflügel dabei einreißt!

[Nachbericht]

Liebe FIFA, lieber Sepp,

hiermit möchte ich den unverzüglichen Ausschluss der Mannschaft Tunesiens aus dem derzeitigen Turnierspielbetrieb beantragen. Zur Begründung verweise ich auf folgende, innerhalb der Partie gegen Saudi-Arabien vorgefallene Vergehen:

vorsätzliche Herbeiführung mehrerer Blutgefäßexplosionen durch das Nichtverhindern zweier Gegentore

vorsätzliche Körperverletzung durch Unterlassen in Form des Einstellens jeglicher Torschussversuche

vorsätzliche Beleidigung meiner Augen durch insgesamt unattraktives Gekicke

Zivilrechtlich fällt zudem mein finanzieller Verlust in Höhe von 5 (in Worten: fünf) Euro an, der mir immer noch körperliche Schmerzen bereitet.

Sollte meinem Antrag stattgegeben werden, erkläre ich mich bereit, bei der nächsten WM-Eröffnungsfeier im Moment der Danksagung an ihre – von mir übrigens hochgeschätzte – Organisation unter animierendem Klatschen laut und vernehmlich „FIFA, you’re simply the best“ in die Außenmikrofone zu grölen und so die Buhrufe zu übertönen. Hochachtungsvoll,

GER – POL 1:0

[Vorbericht]

– Wackelabwehr gegen Gewinndruck, da könnte es was gebacken geben. Klinsmann hat das Backen ja mal gelernt, jetzt darf hinten nur nichts mehr anbrennen. Oder halt auf der anderen Seite beim Gegner noch mehr. Für letzteres darf Ballack heute wieder die Chefkochmütze aufsetzen und den Kochlöffel schwingen.

[Nachbericht]

– Jawollja. Verdienter deutscher Sieg. Und um wie beim Eröffnungsspiel noch einen sinnfreien englischen Spruch nachzuschieben: Neuville with the kill.

– Jetzt brauchen wir uns gegen Ekuador nicht mehr so sehr anzustrengen und gehen den Engländern aus dem Weg. Ich hätte ja gerne Trinidad & Tobago als Gegner im Achtelfinale.

– Irgendwie war alles anders als am Freitag: kein Fernschuss, kein Freistoß, kein Kopfball, keine Patzer in der Verteidigung. Ich dachte, das wären die neuen deutschen Tugenden.

– Die letzten zehn Minuten waren unsere Jungs aber beängstigend druckvoll. Und einen Doppellattentreffer kriegt selbst der Ronaldinho nur in Werbespots hin.

– Ich schäme mich für folgenden Gedanken, der mir kurz vor Ende der ersten Hälfte durch den Kopf ging: „Als Kölner hätte der den reingemacht“. Ich nenne keinen Namen.

– In den langweiligen Phasen der Partie hat mich diese Frage nicht ruhen lassen: bei welchen vier Spielen war Kaiser Franz nicht im Stadion anwesend? Ich krieg nur ECU-POL, FRA-SUI (da saß der Niersbach rum) und mein persönliches Qualspiel TUN-KSA (hab ich nur zwei saudische Prinzen gesehen) zusammen. Laut Berichterstattung waren es aber vier. Wer also den Bildbeweis (Schwenk auf die Ehrentribüne eines WM-Stadions, kein Kaiser) hat, möge ihn bitte an ini.inishmore(at)gmail.com mailen.

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