[Prolog]

- „Heute beginnen die Ausscheidungsspiele. Nein, damit sind keine Festwochen für Proktologen gemeint“.

Ich überlege gerade, wem ich diese Anmoderation zutraue. Kerner? Nein, der weiß nicht, was Proktologen sind. Kloppo? Der fliegt sofort bei Mainz raus. Meiers Urs? Darf nie wieder eine Pfeife in die Hand nehmen. Einer aus dem „Nachgetreten“-Panel? Nein, zu intellektueller Ansatz. Der Franz? Ja, der Franz bringt den. Und die Bild-Zeitung analysiert tags darauf die Stuhlproben aller Nationalspieler mittels anerkannter Parapsychologen.

- Ausscheidungsspiele sind die besseren Spiele. Sicher, auch hier kann es zu üblem Gegurke auf dem Feld kommen. 0:0 zur Halbzeit, 0:0 nach 90 Minuten, 0:0 nach 120 Minuten. Aber selbst wenn das anschließende Elfmeterschießen so langweilig wird, dass der eine Torwart dem anderen den Ball vor Entkräftung nicht mehr ins Netz schieben kann, steht doch eines fest: einer darf nach Hause fahren.

- Da sind sie dann wieder, die Momente für Liebhaber großer Emotionen. Je südlicher die Lage des betroffenen Landes, desto hemmungsloser wird geheult. Das entschädigt für vieles, wenn ganze Landstriche im Tränenmeer versinken oder das Haus des Trainers/eine Puppe des Schiedsrichters öffentlich verbrannt wird.

GER – SWE 2:0

[Vorbericht]

- Die Schweden sind emotional doch eher unterkühlt, deshalb können die ruhig aus dem Turnier rausfliegen. Ich höre schon die Pressekonferenz des Trainers Lagerbäck vor meinem geistigen Ohr:

„Wir sind draußen. Hat nicht sollen sein. War aber schön hier. Vielleicht ein bißchen zu warm. Ich muss weg. Mein Elchgeschnetzeltes wird kalt. Tschau.“
Wir Deutschen hingegen sind vom Weiterkommen abhängig. Alle sind gut drauf, alle sind euphorisiert, das Bundesmerkel kann schöne neue Steuern erfinden oder die alten erhöhen, damit unser Land noch weiter vorwärts kommt. Wäre doch schlimm, wenn das alles enden sollte.

- Wahrscheinlich laufen die Schweden diesmal mit Ibrahimovic auf, dem Mann mit dem schwedischsten aller schwedischen Namen. Beunruhigt mich in keinster Weise, unser Klose hat schon mehr Tore erzielt, wie die ganzen Nordmänner zusammen. Das sollte eher denen zu denken geben.

- Ein weiterer klarer Sieg im Bereich der Haarschmuckanalyse: Schweden-Jedi Wilhelmsson mit seinem Star Wars-Episode 2-Gedenkzopf hat keine Chance gegen Schweinsteiger, dessen Frisur zu verfilmen sich noch kein Regisseur dieser Erde gewagt hat.

- Natürlich werden die Experten heute wieder anfangen: die Deutschen haben seit dem 0:1 in Wembley nicht mehr gegen eine Spitzenmannschaft gewonnen. Müssen sie auch nicht, um Weltmeister zu werden. Nach den Schweden im Achtelfinale kommen die Mexikaner im Viertelfinale und gegen die spielen wir ja fast immer bei Weltmeisterschaften. Halbfinale Ecuador und Finale Australien. Okay, die sind zäh, aber die knacken wir im Elfmeterschießen.

[Nachbericht]

- Sensationell, was dieser Klose zusammenspielt. Die Vorbereitungen zu den Treffern von Podolski waren ganz, ganz großes Fußballkino. Da kann sich der Ballack voll und ganz auf die Distanzschüsse konzentrieren, die ab dem Halbfinale dann hoffentlich alle reingehen. Ich bin verblüfft.

- Die Taktik von Klinsmann kristalliert sich immer mehr heraus: Demoralisierung des Gegners durch a) frühe Tore (der gemeine englische Journalist wird für morgen wieder das Wort vom Blitzkrieg entstauben), b) Platzverweis, und c) angetäuschtes Herankommenlassen, um gegnerisches Versagen zu provozieren (Elfmeter). Die Schweden waren so fertig, die haben dem Metzelder sogar den liegengebliebenen Schlappen weggekickt, um wenigstens ein Erfolgserlebnis zu haben.

- Wenn es so weitergeht, vor allem, wenn wir gleich zu Beginn jedem Gegner zwei Tore reinhauen, werden wir Weltmeister. Davon erholt sich kein europäisches Spitzenteam und die Südamerikaner verlieren die Spiellust und holzen drauf los. In dem Fall gilt: ruhig weiterspielen und ausbluten lassen.

ARG – MEX 2:1 n.V.

[Vorbericht]

- Wie schon im Prolog beschrieben, hier ist das große Heulen garantiert. Ich weiß jetzt nicht, wen ich lieber ins Taschentuch schneuzen sehen will: Maradona oder den mexikanischen Trainer La Volpe. Wobei ich nicht glaube, dass La Volpe weinen dürfte. Der muss wohl eher zügig die Rückreise buchen, weil er a) gebürtiger Argentinier ist und b) sein Haus brennt.

[Nachbericht]

- Argentinien ist also unser Gegner im Viertelfinale. Abgesehen von diesem richtig abgefahrenen Siegtreffer (der wieder die Frage aufkommen lassen wird, ob die Mexikaner nicht mal bald einen 2 Meter-Schlaks für die Torwartposition heranzüchten sollten) darf man aber konstatieren: die Gauchos kochen auch nur mit Wasser bzw. spielen den Ball auch nur mit dem Fuß.

- Der Einzige, der mal die Hand benutzt hat, wurde heute wieder in kaiserhaften Posen auf den Zuschauerrängen abgelichtet. Keine Sorge, Maradona, im Viertelfinale ist Schluss und das kann ich sogar begründen. Schuld ist nämlich dein Töchterlein, das ausgebuffte Früchtchen.

- Wer hat diese Szene auch mitbekommen? Kurz vor Ende der regulären Spielzeit sah ich Maradonas Kleine, wie sie sich zuerst bekreuzigt und direkt danach mit jeweils gespreiztem kleinem Finger und Zeigefinger (der Fachmann nennt das Pommesgabel oder Teufelszeichen) die Händchen in die Luft schüttelt. Sowohl den lieben Herrgott als auch den Teufel um Beistand bitten, ist grob unfair. Quasi die religiöse Blutgrätsche von hinten. Da wir bekanntlich Papst sind, setzt es deshalb am Freitag eine Klatsche, dafür sorgen schon unsere beiden Stürmer, die ja nationentechnisch doppelt Papst sind. Sowohl aktuell als auch vorher.

UKR – TUN 1:0

[Vorbericht]

- Der Religionsbeauftragte in der Programmredaktion der ARD hatte heute seinen großen Tag. „Was übertragen wir denn?“, fragt der Programmchef in die Runde, „Ukraine gegen Tunesien oder Saudi-Arabien gegen Spanien?“. Sofort johlt es aus der weiblichen Kompetenzecke: „Spaaaanien, mit dem süßen Rauuuuul“.

Der Männerbeauftragte meldet sich zu Wort: „Unfassbar, wie die Ukrainer wegen ihres offensichtlichen Mangels an Attraktivität (außer Shevshenko natürlich) benachteiligt werden sollen. Für die Spanier geht es darüber hinaus doch um nix mehr“.

„Meine lieben Brüder und Schwestern“, setzt der Religionsbeauftragte an, „denket an unsere muslimischen Freunde und haltet inne: die wollen doch nicht sehen, wie die Saudis tormäßig gedemütigt werden. Theoretisch müssten die mindestens 8 Dinger fangen. So gehet hin und übertraget die Tunesier, die mit Gottes Gnade vielleicht ein paar weniger Tore reingehauen bekommen“. Und so geschah es.

[Nachbericht]

- Verschwörungstheoretiker aufgepasst! Ich glaube, ich bin einer großen Sache auf der Spur. Ich habe noch keine Beweise, aber es könnte sein, dass Pavel Nedved heimlich bei den Ukrainern mitspielt – und zwar unter dem Namen Maksym Kalinichenko. Die Frisur stimmt schon mal 100%. Ich werde das weiter verfolgen, versprochen.

Pavel Nedveds Doppelgänger?

- Zwei Wochen WM zehren auch an meinen Kräften. In der 60. Minute habe ich die Waffen gegen das geballte Unterhaltungsvakuum dieser Begegnung strecken müssen. Ich werde fortan damit leben müssen, den sicherlich hervorragend verwandelten Foulelfmeter (schnarch) zum 1:0 nicht live gesehen zu haben.

KSA – ESP 0:1

[Vorbericht]

- Wer wirklich mal alle Reservespieler der Spanier sehen möchte, sollte jetzt dieses seltsame und überteuerte Bezahlfernsehen buchen.

[Nachbericht]

- Bocklos auf dem Betze; nur Experten werden sich noch Jahre darüber streiten, welches der beiden heutigen Spiele langweiliger war.

SUI – KOR 2:0

[Vorbericht]

- Koebi vor dem großen Triumph. Hoffentlich sitzen die Teammanager nicht schon zusammen und hecken ein hohes Unentschieden aus, um sicher weiterzukommen. Wenn diese Begegnung 6:6 endet und nach der WM der erste Hyundai mit eingebauter Kuhglocke und Schokoladenspender rauskommt, würde ich mal nachhaken. Die Franzosen können dem freilich locker entgegen sehen, wenn sie deutlich gegen Togo gewinnen. Aber wer glaubt denn an sowas?

[Nachbericht]

- Schweiz auf Platz Eins. Wer hätte das gedacht.

TOG – FRA 0:2

[Vorbericht]

- Frankreich ohne Zizou. Die ARD überträgt die Partie doch nur, um im Falle des Ausscheidens der Franzosen minutenlang mit der Kamera auf Zidane zu halten, damit der Kommentator losheulen kann. Ich glaube, ich würde mitheulen.

[Nachbericht]

- Bei aller Freude über das Weiterkommen der Franzosen – als Botschafter der Stadt der Liebe ist es doch traurig, wie sie mit ihren Treffern das zarte Pflänzchen der amourösen Beziehung zwischen Beckmann und Tormann Agassa zerstört haben. In der ersten Halbzeit noch heiße Liebesschwüre, danach die übliche professionelle Distanz. Ich hatte mich schon auf die Hochzeit am Tag des Finales gefreut.

Erkaltete Liebe - Agassa & Beckmann

[Prolog]

- Heute ist kein schöner Tag. Wenn ich mir nämlich die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragenen Spiele so anschaue, hätte ich lieber andere gesehen. Und den Sender, der wirklich alle, alle Partien überträgt, hole ich mir erst wieder, wenn der Kofler im Büßergewand vor meiner Tür steht und Abbitte leistet. Also nie.

CZE – ITA 0:2

[Vorbericht]

- Pavel Nedved, der Mann mit der alle Gegner sofort blendenden Prinzenfrisur und den genialen Pässen, hat heute eine schwere Aufgabe zu erledigen. Sein Königreich Tschechien braucht Punkte, um weiterhin überleben zu können. Dummerweise werden die von dem kleinen, fiesen Drachen Italia bewacht, an dessen schwarzöligem Verteidigungsschild schon viele tapfere Ritter ihr Leben lassen mussten.

- Mein Tipp: gezielt italienische Verteidiger anschießen oder zu unkontrollierten Einschussbewegungen animieren. So haben das die Amis zuletzt gemacht. Sonst sieht es duster aus und Pavel muss sein Geld wohl fortan durch das Mitwirken in billigen Pro7-Märchenproduktionen verdienen. Das wollen wir doch alle nicht.

[Nachbericht]

- Tod durch Pippo, Italien zermalmt Tschechien mit zwei Toren. Ich übe schon mal für mein Praktikum bei Corrierre dello sport. Schade, aber die Tschechen waren zu sehr auf Koller eingespielt und der machte vorne gar nicht mit. Hätte denen mal besser jemand gesagt.

GHA – USA 2:1

[Vorbericht]

- Ich hätte gerne die Ghanaer gesehen, vor allem, wenn CZE-ITA die rassige Klasse des live übertragenen Spiels von gestern Abend haben sollte. Ein Afrikaner müsste zwingend für das Achtelfinale gesetzt sein, dass sollte mal jemand dem Blatter Sepp vorschlagen.

[Nachbericht]

- Ghana hat es geschafft. Glückwunsch. Aber ich befürchte, das sind die idealen Gegner für Brasilien im Achtelfinale. Wollen mitspielen, nach vorne rennen und Tore schießen, lassen die Deckung auf und werden schwupp von Ronaldinho und Co. ausgekontert.

CRO – AUS 2:2

[Vorbericht]

- Um die Wurst und nicht um den gegenwärtigen Trikotspannkraftauslastungswert von Ronaldo geht es hier. Leider gibt es davon nur Aufschnitte, äh Ausschnitte zu bewundern. Ich drücke den wackeren Socceroos die Daumen.

[Nachbericht]

- Was für ein Chaosspiel. Fehlentscheidungen, drei gelbe Karten für einen Spieler und Fouls bis zum Abwinken. Aber egal: Hauptsache, Australien ist im Achtelfinale.

JPN – BRA 1:4

[Vorbericht]

- Haben wir nicht alle schon genug von den Brasilianern gesehen? Nein? Gut, dann sehen wir halt zu, wie sie sich gegen die Torschussverweigerer von Japan mit einem glanzvollen 2:0 durchsetzen werden. Japan könnte mit einem hohen Sieg ja noch ins Achtelfinale rutschen. Okay, jetzt haben wir alle einmal herzlich gelacht.

[Nachbericht]

- Ronaldo verwüstet Japan wie einst Godzilla – ja, ich höre schon auf. Überraschend gutes Spiel, die Asiaten mit ihrem ersten regulär erzielten Treffer und Ronaldo weiß auch wieder, wo das Tornetz hängt. Nur Kawaguchi dürfte heute Nacht das Hotelzimmer per Handkantenschlag zu Kleinholz verarbeiten.

POR – MEX 2:1

[Vorbericht]

- Brother Louie, Louie, Louie gegen Mexico Ra Ra Ra. Im Wettbewerb um die zweifelhafte Ehre, von den Argentiniern die Hosen stramm gezogen zu bekommen. Die Mexikaner haben mich beim sensationellen 0:0 gegen Angola davon überzeugt, dass sie für diese Aufgabe am ehesten prädestiniert sind.

[Nachbericht]

- Eine sehr ansehnliche Partie, in der der Mexikaner Bravo seinem Namen alle Ehre machte. Bravo ist doch sicher ein Pseudonym und zugleich Abkürzung für „Bravo, so viele Torchancen zu versemmeln ist schon eine Kunst für sich“. Oder etwa nicht?

- Thomas Wark ist bekanntermaßen der getarnte HipHopper der ZDF-Reporter-Riege. Wenn es aus ihm herausbricht, kommentiert er eine Torchance gerne mit einem lässigen „Yo!“ oder auch „Yow!“. Bei Toren selbst schweigt er jedoch zunächst einmal, um den Zuschauer mit dem Ereignis alleine zu lassen. Wahrscheinlich wirbelt er in dem Fall zunächst seine übergroßen Goldkettchen über die Ränge und braucht insofern ein wenig Zeit, um weiterreden zu können.

IRN – ANG 1:1

- PREMIERE. EXKLUSIV. ES WIRD IMMER BESSER. JETZT NOCH BESTELLEN!

CIV – SCG 3:2

[Vorbericht]

- PREMIERE. EXKLUSIV. Für alle, die Didier auf Wiedersehen sagen wollen. Drogba, meine Tränen sind nicht trockbar. Aber so eine WM ist halt ungerecht.

- Mladen Krstajic, der zweiterfolgreichste Schalker dieser WM, hat übrigens guten Gewissens schon seinen Rücktritt aus der Mannschaft erklärt. Der Spannungsgehalt der Partie dürfte sich daher hauptsächlich daraus speisen, ob heute nur Montenegro antritt.

[Nachbericht]

- 5 Tore für Premiere-Abonnenten. Mist. Die werden morgen bestimmt ordentlich damit angeben.

NED – ARG 0:0

[Vorbericht]

- Vom Namen her erwarte ich ein großes Spiel. Vorausgesetzt, die treten nicht beide mit ihrer D-Jugend-Mannschaft an. Schließlich geht es um die Ehre, den Mexikanern die Hosen… aber das habe ich ja schon geschrieben.

- Mal sehen, ob die Holländer wieder ihren Stürmer van Nistelrooy rausnehmen, um das Ergebnis zu halten. Wobei es sich diesmal nicht um einen Vorsprung, sondern eher um ein noch erträgliches 0:3 handeln dürfte.

[Nachbericht]

- „Ein Spiel auf technisch höchstem Niveau, bei dem sich die beteiligten Mannschaften gegenseitig neutralisierten“. So hätte das Ernst Huberty analysiert. Den Teil mit dem höchsten Niveau würde ich gerne übernehmen, jedoch nicht auf das Spiel, sondern auf die von ihm ausgestrahlte Langeweile beziehen. Ich habe den Großteil der Begegnung damit verbracht, sämtliche WM-Spielpläne und mein Panini-Klebealbum mit den offiziellen Spielergebnissen zu befüllen.

- Ruud van Nistelrooy wurde schon wieder ausgewechselt. Ich weiß jetzt auch, weshalb der nicht trifft. Der ist innerlich zerrissen, weil auf seinem Trikot „Nistelrooy“ steht, während er bei allen Einblendungen „Nistelrooij“ heißt. Würde mich auch fertig machen.

- Von einem Ruud zum anderen: der Ruud Gullit hat sich ja ziemlich verändert. Der könnte bei Aldi neben mir in der Schlange stehen, den würde ich nicht erkennen. Schlimm, was Fußballentzug aus Menschen machen kann.

[Prolog]

- Schonung für Geist und Körper; von nun an habe ich mir vorgenommen, pro Tag nur noch zwei Spiele live anzusehen. Das dürfte auch ziemlich sicher klappen, weil ich kein Premiere-Abo habe.

- A propos Premiere. Heute ist es soweit. Heute ist DER Tag der Premiere-Abonnenten. Was waren die stolz, als sie sich das Superduper-Angebotspaket „64 Spiele für 64 Euro“ geordert hatten. Alle Spiele live gucken. Ausnahmslos alle. Auf dem einzigen Sender, der alle Spiele überträgt. Alle. Alle. Alle. Mein. Mein. Mein. Nur für mich. Mich. Mich. Mich.

- Viel Spaß bei Costa Rica gegen Polen und Trindad & Tobago gegen Paraguay. Verdammt, wie ich euch beneide. Als Ausdruck meiner Ehrfurcht schreibe ich zu diesen exklusiven Spielen nur das Ergebnis hin. Weil ich mich dieses elitären Kreises einfach unwürdig fühle.

ECU – GER 0:3

[Vorbericht]

- Ich bin nicht mehr so richtig dran an meiner Landesauswahl. Wahrscheinlich, weil mir die ganzen Zusatzberichterstattungen abseits der eigentlichen Spiele auf den Nerv gehen. Hält Metzes Knie? Pocht Ballacks Wade? Spricht Poldi einen auf Anhieb verständlichen Satz? Hatte Lehmann die letzten Tage erhöhten Stuhlgang? Keine Ahnung. Vielleicht findet man die Antwort ja auf dem Platz.

[Halbzeitbericht]

- Schon zur Halbzeit alles klar. Zwei Tore durch Klose, dessen hervorstechendste Eigenschaften mein Bruder folgendermaßen beschreibt: Torgefährlich. Anständig. Nett. Zuverlässig. Nervt mich nicht durch blöde Werbespots. Dem kann ich mich nur anschließen.

- Laut Beckmann müssten die Deutschen nach dem Führungstreffer mit dicker Brust spielen. Ich habe sicherheitshalber schnell bei mir nachgeschaut: Breit? Ja. Vor Stolz geschwellt? Ja. Dick? Nein, so adonishaft wie immer. Wahrscheinlich dachte Beckmann gerade an dicke Hosen oder dicke Brüste. Gut, er hätte auch etwas von vor Stolz geschwellten Hosen fabulieren können. Mehr auf’s Spielfeld gucken und weniger in den Ausschnitt der ekuadorianischen Sportchefreporterin, Reinhold!

- Mal in die Runde gefragt: wollen die Ecuadorianer wirklich dieses Spiel gewinnen? Oder haben sie schon das beste Koks für den Besuch der Beckhams aus der Glasvitrine geholt und aufpoliert? Mir soll es recht sein.

[Nachbericht]

- Ein völlig ungefährdeter Sieg der DFB-Elf. Poldi darf sich nun auch eine Kerbe ins Schienbein schnitzen, sehr schöner Treffer. Insgesamt eine hervorragende Teamleistung von Abwehr bis Sturm. Hervorheben möchte ich Per Mertesacker (bester Ausputzer), Philipp Lahm (bester Flankengeber), Michael Ballack (bester sich für die späteren Einsätze noch schonender und dann sicherlich explodierender Mittelfeldmann), Miroslav Klose (bester Instinktstürmer) und Gerald Asamoah (bester Schalker auf dem Platz).

CRC – POL 1:2

- PREMIERE. EXKLUSIV. WOW.

PAR – TRI 2:0

- PREMIERE. EXKLUSIV. WOW.

SWE – ENG 2:2

[Vorbericht]

- Und schon geht die Taktiererei los. Wer tritt nach dem erneut fantastischen deutschen Sieg am wenigsten auf’s Gaspedal, um im nächsten Spiel ganz sicher gegen den Gastgeber antreten zu dürfen? Den Engländern traue ich zu, dass sie ihr bestes Spiel abliefern und dennoch verlieren. Nur um mich zu ärgern. Ich will die Schweden im Achtelfinale gegen die Klinsi-Buben!

[Nachbericht]

- Die Schweden also. Am kommenden Samstag in München. Damit kann ich leben. Schlimmer wären die Engländer gewesen, da erinnere ich mit Schaudern an das 1:5 unter Rudi Völler seinerzeit. Okay, die Münchener haben extra deswegen ein neues Stadion gebaut, aber man sollte schon auf Nummer sicher gehen.

- Auch wenn uns Michael Owen damals einige Tore reingehauen hat, wünsche ich ihm, dass er nach seiner Verletzung schnell wieder auf die Beine kommt. Liebe ARD: bitte nicht mehr die Zeitlupe von dieser Szene zeigen. Besonders nicht, wenn ich gerade was esse. Danke.

- Angenehm: die Engländer haben noch einen schönen Knacks für das Achtelfinale gegen Ekuador erhalten, weil sie einen zweimaligen Vorsprung nicht halten konnten. Lustig wird’s, wenn es am Sonntag ins Elfmeterschießen gehen sollte.

TOG – SUI 0:2

[Vorbericht]

- Ich zitiere mal zwanglos aus Wikipedia.de:

„Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, kurz Nati („Natzi“ ausgesprochen), hatte in ihrer Geschichte viele Höhen und Tiefen.“

Moment. Was? „Natzi“? Hoffentlich liest das der Ahmadinedschad nicht. Der kommt doch noch vorbei. Ich ruf schnell den Schäuble an, dass er Wikipedia für die Zeit der WM sperren lässt. So geht’s ja nun wirklich nicht.
- Die Togoer haben immerhin schon ein Tor bei dieser WM geschossen. Leider weiß man denen nicht so genau, ob die nicht nach dem nächsten Treffer einfach einpacken und aus Protest nach Hause fahren. Ich bin nicht vollkommen regelkundig, aber angenommen, im Falle eines Abbruchs bekäme der Gegner einen 3:0-Sieg gutgeschrieben. Wenn Togo dann zum letzten Spiel gegen Frankreich nicht mehr antritt, sind die Franzosen im Achtelfinale! Muss ich gleich mal Monsieur Domenech informieren, der freut sich sicher nach dem Grottenkick seiner Mannschaft gestern.

[Nachbericht]
- Der Fußballverband von Togo atmet auf: die Verhandlungen über die Spielerprämien für das Erreichen des Achtelfinales werden nun ein Klacks. Ein wenig schade ist es schon, schließlich haben die Togoer ein paar richtig schöne Spielzüge auf’s Feld gezaubert. Aber letzten Endes muss der Ball ins Tor und zwar idealerweise einmal mehr als der Gegner das geschafft hat.

- Ich bin natürlich stolz auf jeden deutschen Trainer bei dieser WM, aber Otto Pfister ist nun wirklich nicht so telegen, dass man ihn ständig im Bild sehen müsste. Erinnert mich von Mimik und Gestik ein wenig an einen Rentner im Unterhemd, der aus dem Fenster lehnt und grundlos vorbeigehende Passanten anmault.

- Eindeutiger Gewinner in Sachen Trendyness: Koebi Kuhn mit seiner endgenialen HipHop-Mütze über dem spärlichen Haupthaar. It’s cool, man.

KSA – UKR 0:4

[Vorbericht]

- Allah im Kampf um Punkte, die zweite. Diesmal gegen die Ukrainer, bei denen die Klitschko-Brüder weiterhin beeindruckender sind als der gesammelte Sturm. Nachdem die Nummer mit den Blinis gegen die Spanier gescheitert ist, sollen sie diesmal ihre üble Backmischung täuschungshalber in Milchschnitten-Verpackungen eingetütet haben. Vielleicht klappt es ja diesmal.

[Nachbericht]

- Drei Tore nach 46 Minuten und ich habe sie alle verpasst. So richtig angestrengt haben sich die Saudis wohl nicht; die Ukrainer übrigens genauso wenig. Aber dafür 4 Tore geschossen. Das macht den feinen Unterschied.

ESP – TUN 3:1

[Vorbericht]

- Schon wieder Allah, diesmal aber in noch aussichtsloserer Situation. Bevor ich jetzt Zeilen schreibe, die eventuell Muslime erzürnen, suche ich mir ein Feindbild, auf das wir uns alle religionsübergreifend einigen können: James Blunt, die alte Heulboje. Wer von „You’re Beautiful“ nicht genug bekommen kann, darf hier die Parodie von Weird Al Yankovic herunterladen – „You’re Pitiful“. Mit Dank an das PCX-Forum.

[Nachbericht]

- Fast hätte ich gedacht, dass Religionszugehörigkeit doch ein Erfolgsfaktor bei dieser Endrunde sein kann und Tunesien heute gewinnt, um mich Ungläubigen zu strafen. Ich wollte schon sicherheitshalber den lieben Herrgott daran erinnern, dass wir Papst sind, um damit für uns mindestens das Halbfinale klar zu machen.

- Aber Spaß beiseite: die Tunesier muss man loben, dass sie als vermeintlicher Außenseiter ganz keck gegen den Favoriten ein Tor erzielt haben. So sah man wunderschön, dass auch technisch gute Mannschaften ihre Probleme bekommen, den Ball an einer leidenschaftlich kämpfenden Abwehr ins Tor zu bugsieren. Hätte ich um der Spannung willen gerne öfter gesehen.

JPN – CRO 0:0

[Vorbericht]

- Die Japaner sind die Stars der WM. Also zumindest hier im Saarland. Weil sie als eine der wenigen Mannschaften auf saarländischem Boden genächtigt haben, bevor sie nach Kaiserslautern fuhren, um sich dort eine verdiente Klatsche gegen die Australier abzuholen. Eine Angestellte des Hotels erlangte sogar Ruhm in den lokalen Medien, weil sie etwas zu Takahara im Aufzug gesagt hat. „Wie geht es?“ waren glaube ich die genauen magischen Worte. Frech und spektakulär zugleich. Aber so sind wir Saarländer.

[Nachbericht]


- Die Welt zu Gast bei Freunden. Schon vorbildlich, dass unser Kaiser sich zu Beginn des Spiels reichlich Zeit genommen hat, der japanischen Prinzessin die „FIFA-Sicherheitsauflagen bezüglich des Mitführens von Fotoapparaten“ zu erklären. Wie Hinterlegung des Personalausweises, Abgabe einer Urin- und Blutprobe, Einverständniserklärung zu spontanen Gentests sowie Aufnahme in die Fahndungskartei von Europol. Zur zweiten Hälfte hat sich der Franz dann sicherheitshalber aus dem Staub gemacht. Man will ja nicht mit drinhängen.

- Pierre Littbarski diesmal mit einer deutlich unaufgeregteren Kommentatorleistung. War letzten Sonntag ja auch hibbeliger als ein japanischer Vorschüler, der seiner Origami-Lehrerin unter den Kimono gelinst hat.

- Die Japaner nehmen das mit den Fußballregeln auch nicht so genau. Zico hat denen wahrscheinlich im Training hundertmal eingebläut: der Stürmer muss den Ball über die Torlinie schießen, der Torwart den Ball an der Überquerung derselben hindern. Aber im Spiel haben es seine Jungs wieder verkehrt herum gemacht.

- Fazit des Spiels: Australien ins Achtelfinale. Bitte.

BRA – AUS 2:0

[Vorbericht]

- Das erwartete Duell zwischen den zum Start wenig überzeugenden Durchwurschtlern und den souveränen Siegern ihrer Auftaktpartie. Bei BRA denkt der amerikanistisch geschulte Mensch ja zuallererst an Büstenhalter, weshalb diesmal vielleicht auch ein paar Leute jenseits des großen Teiches die Kiste einschalten. Woraufhin sie mächtig enttäuscht sein dürften, weil wieder nur Männer einem Ball hinterher rennen. Und BH trägt auch nur ein einziger, nämlich die #9 bei den Brasilianern. Diesen Witz hätte ich Reinhold Beckmann für verdammt viel Geld verkaufen können, aber der kommentiert heute ja leider nicht.

[Nachbericht]

- Der Kommentator war richtig herzlich bemüht, den Ruf von Ronaldo wieder herzustellen und erwähnte sogar die „guten Bewegungen“ des Stürmers. Wäre vielleicht eine interessanter Anreiz für Fußballstatistiker, diesen Parameter neben Toren und Vorlagen zukünftig mit zu berücksichtigen. Ronaldo: 0 Tore, 1 Vorlage, 1 gute Bewegung.

- Ich wiederhole es gerne nochmal: die Australier gehören ins Achtelfinale. Wo die Argentinier zwar dafür sorgen werden, dass sie rausfliegen, aber egal. Die Aussis haben ordentlich Druck gemacht und dagegen gehalten, hat mir imponiert.

- Die Brasilianer hingegen erneut kaum mit magischen Momenten. Spielten zu Beginn auch nur hinten rum, bis der Ball weg war. Erst nach dem 1:0 einigermaßen ansehbare Spielzüge. Ich bin mir nicht mehr so sicher, ob die wirklich Weltmeister werden.

FRA – KOR 1:1

[Vorbericht]

- Die Franzosen. Die Trostlosen. Mehr mag ich gar nicht schreiben. Befinden sich auf dem besten Weg, die WM 2002 nachzuspielen. Bekomme ich während des Spiels sicher wieder Gelegenheit, meinen liebsten französischen Unmutsausdruck „zut alors“ oft und herzlich zum Besten zu geben. Dafür hätte der Zidane nun wirklich nicht zurückkommen müssen.

[Nachbericht]

- Quelle surprise. Eigentlich wollte ich schon nachschlagen, was „todlangweilig“ auf französisch heißt. So allerdings gilt es dem alten Trainerfuchs Advocaat ein Lob zu zollen: 80 Minuten konsequent ohne Sturm spielen, obwohl man zurückliegt und trotzdem am Ende einen Punkt mitnehmen. Demütigender geht es eigentlich nicht mehr.

- Ich bin kein Fan von Fabien Barthez, vielleicht bilde ich es mir deshalb ein, aber meiner Meinung nach sieht der wirklich bei jedem Tor unbeholfen aus. Ein etwas größerer Keeper hätte den Streichelball von Park Ji Sung über die Latte gelenkt. Gregory Coupet dürfte in der 81. Minute drei Paar Handschuhe zerbissen haben.

- Den Franzosen würde ich keine Träne nachweinen, wenn sie es nicht ins Achtelfinale schaffen sollten. Nur um den großartigen Zinedine Zidane täte es mir leid; könnte der nicht schnell bei einer anderen Mannschaft als Gastspieler mitmischen, um einen würdigen Abschied zu bekommen?

POR – IRN 2:0

[Vorbericht]

- Ich habe mal recherchiert und folgendes festgestellt: Allah hat bisher erst einen Punkt bei dieser WM erzielt. Und der zählt eigentlich gar nicht, da er unter Glaubensbrüdern aufgeteilt worden ist. Ein sehr mageres Ergebnis, das muss heute besser werden.

- „Du muscht heit gugge, s’Luiche spielt doch widder“. Nein, s’Luiche (also der Luis) muss heute ohne mich auskommen. Ich habe es ja angedroht, dass ich dieses Spiel nicht live verfolgen werde.

[Nachbericht (Hörensagen)]

- Laut Aussage meines Bruders war das eine Hammerpartie, mit hochkarätigen Chancen auf beiden Seiten, atemberaubenden Tempo, wahnsinnigen Kombinationen und zwei Weltklassetorhütern, denen es allein zu verdanken war, dass nur zwei Tore gefallen sind. Ich glaub dem kein Wort.

CZE – GHA 0:2

[Vorbericht]

- Und der nächste Afrikaner sagt leise „Servus“. Die Tschechen werden bestimmt ein paar Törchen erzielen, ich verweise insoweit auf die unglaubliche Fangsicherheit des ghanaischen Torwarts bei Flanken. Sollte Richard Kingson wider Erwarten über sich hinauswachsen, hilft der Kuffour Sammy bestimmt nochmal gerne mit einer herrlichen Vorlage aus.

[Nachbericht]

- Natürlich lag ich mit meiner Einschätzung wieder einmal komplett falsch. Der Kuffour ist ja auch gesperrt und konnte insoweit gar nicht helfen. Und wer sollte denn außer Koller die schönen hohen, von Kingson unterlaufenen Flanken verwandeln?

- Tor durch Asamoah! Dass ich das mal noch schreiben darf. Danke, Ghana. Unter Klinsmann darf ich diese Schlagzeile wohl nicht verfassen.

- Mit Abstand die spaßigste Begegnung bei dieser WM. Die Ghanaer mit ihrer Spielweise muss man einfach mögen; die machen mit wie kleine Kinder, die zwar noch nicht alle Regeln kennen (1. beim Elfmeter darf man nicht probeschießen, 2. alleine mit drei Mann vorm Tor passt man den Ball nicht nach vorne, weil sonst Abseits), aber dennoch unbändige Freude an dem ganzen Treiben um sie herum haben.

ITA – USA 1:1

[Vorbericht]

- Oje. Die kann ich ja beide nicht leiden. Werden wahrscheinlich die Italiener gewinnen. Maximal mit 1:0, erzielt per Elfmeter. Nachdem „Pippo“ Inzaghi im Strafraum gekonnt theatralisch über seine eigenen Beine/die eines Gegners/die eines Mitspielers gefallen ist. Das kann der nämlich richtig gut, hab ich mir sagen lassen. Man beachte dieses Bild:

- Selbst wenn die Italiener sogar zwei Tore erzielen und damit nach ihren Maßstäben einen Kantersieg herausspielen, kann ich nicht mal hämische Kommentare über die Amis loslassen, weil sich bei denen eh keiner wirklich für Fußball interessiert.

[Nachbericht]

- Ein packendes Spiel, das ich natürlich – von tiefen Vorurteilen geprägt – ab der 22. Minute nicht mehr verfolgt habe. Italien 1:0, das müsste es gewesen sein. Dachte ich. Pustekuchen. Ich habe den Ausgleich verpasst (Eigentor mit formidabler Haltungsnote) und die beiden ersten Platzverweise nicht mitbekommen. Mist.

- Ab der dritten Hinausstellung war ich wieder am Ball. Und durchaus beeindruckt vom amerikanischen Spiel. Fast 45 Minuten nur noch mit 8 Feldspielern, aber dennoch mit Zug nach vorne, da darf man den Hut vor ziehen.

- Ich stelle mir gerade vor, wie ein Italiener einem Amerikaner zu erklären versucht, weshalb das Tor zum 2:1 nicht gegeben worden ist.

(Ami) GOOOOOAL, U-S-A, U-S-A
(Italiener) ser, scusi, ser, but this-a was offside
(Ami) U-S-A, U-S-A, WE’RE THE BEST IN THE WHOLE WIDE WORLD… WHAT THE FUCK?
(Italiener) the referee has-a blown-a his whistle, it’s-a no goal
(Ami) WHAT THE FUCK? THIS WAS NO FUCKIN’ OFFSIDE! NEVER!
(Italiener) yes, it was-a, ser.
(Ami) NO FUCKING WAY! IT WAS A CLEAN SHOT ON GOAL!
(Italiener) but one of the american players was-a irritating the goalkeeper of Italia.
(Ami) I KILL YOU. I KILL YOU RIGHT NOW!!!!
(Italiener) please, ser, don’t hurt-a me

ARG – SCG 6:0

[Vorbericht]

- Die Gauchos gegen die zähen Serben plus Torwart aus Montenegro, der sich anders als sein Land noch nicht aus dem Staatsgebilde verabschiedet hat. Wäre jetzt wohl auch ein unpassender Moment, mitten im argentinischen Kombinationsfluss die Handschuhe wegzuwerfen und sich unabhängig zu erklären. Besser vielleicht so ab dem 3:0.

[Nachbericht]

- Sechs Tore, Respekt. Auch für den Torwart der Serben-Montenegriner. Dass er bis zum Ende drin geblieben ist.

- Ganz schlechte Noten hingegen für Boris Tadic, den Präsidenten der Republik Serbien. Sitzt neben unserer Lichtgestalt und würdigt den Franz keines Blickes (Majestätsbeleidigung!), sondern liest den Einkaufszettel seiner Frau: „Lieber Boris, vergiss nicht, die gute serbische Bohnensuppe von Erasco mitzubringen„. Ein Skandal.

- Vielleicht hat Herr Tadic aber auch eine schriftliche Botschaft an den Trainer vorbereitet: „Außer Mladen Krstajic könnt ihr alle nach Hause fahren“ (Ja, über Schalker Jungs ziehe ich nicht her).

- Wäre das Spiel bei RTL übertragen worden, hätte die Regie bei der Verletzung von Gonzalez dessen Abtransport vom Spielfeld sicher mit folgender Einblendung begleitet: „Rufen Sie jetzt an für den Klingelton zu „Don’t Cry For Me, Argentina„.

- Dieser Tevez ist ohne Zweifel das Kampfschwein in der argentinischen Truppe. Der schwitzt ja schon bei der Einwechslung. Argentinien kann übrigens im Viertelfinale auf uns treffen. Ich schreib das mal, um eine Runde Panik zu verbreiten.

NED – CIV 2:1

[Vorbericht]

- Hoffentlich treten die mal nicht beide in Orange an. Wäre sicherlich der Traum aller Fußballfriedensgruppen, die jedem Spieler einen Ball geben wollen, damit sie nicht immer um den einen kämpfen müssen. Und in der Halbzeit machen wir dann ein lässiges Sit-In mit Stammesverbrüderung und Haschpfeiferl. Soweit kommt’s noch! Ich will die Ivorer siegen sehen.

[Nachbericht]

- Aus. Vorbei. Meine Lieblinge sind draussen. Ich bitte um eine Schweigeminute. Und lege mich jetzt schon fest: die Elfenbeinküste wird die beste erfolglose Mannschaft dieses Turniers. Kann sie sich leider nichts für kaufen.

- Noch eine düstere Prophezeiung: meiner Meinung nach sehen wir keinen afrikanischen Vertreter im Achtelfinale. Traurig. Aber andererseits habe ich erwiesenermaßen ja keine Ahnung.

- Die Holländer sind auf meiner Weltmeisterwürdigkeitsliste tief, tief, tief gefallen. Wechseln van Nistelrooy für einen Defensivspieler aus, um den Vorsprung nach Hause zu mauern. Ganz arm. Aber kein Grund, sich wie Drogba am Gemächt fremder Leute zu schaffen zu machen. Na na na.

MEX – ANG 0:0

[Vorbericht]

- Schon wieder so ein Knaller. Von der Gruppe halte ich spannungsmäßig rein gar nichts. Sollen doch Mexiko und Portugal die Platzierungen untereinander ausknobeln. Da guck ich wirklich nur zu Beginn mit einem prüfenden Auge hin, ob die Mexikaner bei der Nationalhymne wieder schneidig die rechte Hand parallel zum Herzen halten.

[Nachbericht]

- Mexico mi amor, sang einst der Peter der Alexander gemeinsam mit der deutschen Nationalmannschaft. Derartige Liebesbezeugungen sind nach dem Grottenkick heute von mir logischerweise nicht zu erwarten. Zumal ich Geld darauf gewettet habe, dass Mexiko schon zur Halbzeit führt.

- Für die zweite Hälfte habe ich einen kleinen Wettbewerb um meine Aufmerksamkeit eröffnet: parallel zum Spiel hörte ich die neue CD von Amorphis und defragmentierte meine Festplatten. Ergebnis: Amorphis auf Platz 1 mit ein paar richtig guten Songs, auf Platz 2 die Festplatten mit schöner neuer Speicherblockbildung und weit abgeschlagen… naja, man kann es sich denken.

- Bei jeder WM kommt der Moment, wo man sich sagt: „hey, ich muss nicht alles gucken“. Heute war es bei mir soweit. Von der Gruppe D schau ich nur noch die Zusammenfassungen an. Beschwerden bitte direkt an den mexikanischen Verband richten.

ECU – CRC 3:0

[Vorbericht]

- Ekuador? Costa Rica? Mir doch wurscht, wer zweiter hinter uns wird. Ich befürchte, da muss ich nochmals einen Fünfer locker machen, um mit vollem Einsatz dabei zu sein. Vorher aber besser noch schnell die Baldrianpillen auffüllen. Die sind dank der unfähigen Tunesier nämlich alle.

[Nachbericht]

- Hoppla, die Ekuadorianer. Stiebitzen sich einfach so unsere Tabellenführung. Jetzt bedarf es doch eines Sieges der DFB-Truppe im letzten Gruppenspiel, dabei hatte ich mich schon auf ein entspannendes Unentschieden gefreut. Müssen wir den kleinen Neuville halt wieder gut einfetten, damit er wie gestern sauber in die Flanken reinrutscht.

- Costa Rica hat einen Spieler namens Kurt Bernard im Kader und der leistet uns nicht mal Schützenhilfe. Sehr enttäuschend.

- Dieser Mora darf weiterhin seine Vaterlandsliebe auf den Backen spazieren tragen. Sehr laxes Verhalten der FIFA meiner Meinung nach. Wehret den Anfängen! Sonst läuft der Lehmann gegen Ekuador noch mit schwarzer Augenbinde, roter Clownsnase und zwei Goldzahnreihen auf.

TRI – ENG 0:2

[Vorbericht]

- Hin- und hergerissen bin ich bei dieser Begegnung. Einerseits müssten die Engländer gewinnen, damit wir nicht im Achtelfinale auf sie treffen. Vor dieser Konstellation habe ich wirklich richtig Horror. Nochmal ein 1:5 wie in München überlebe ich nicht. Später im Turnier sind deren Knie dann zu weich fürs Elfmeterschießen, was sie zu einer leichten Beute für uns macht. Bilde ich mir zumindestens ein.

- Andererseits würde ich gerne Darth Beenhakker und Count Hislop in der Verfußballung von Episode 3 sehen, in der sie den strahlenden Jedi Beckham zur dunklen Seite der Macht verführen. Ich sehe die Szene schon vor mir: 93. Minute, Spielstand 0:0, harmlose Hereingabe der Karibikicker, Becks semmelt kunstvoll über den Ball und die Kugel senkt sich ins eigene Tor. Mit dem Abpfiff läuft unser Held rasend vor Wut modisch schwarz an, erstarrt fassungslos für mehrere Minuten, stakst zusammen mit Roboter Peter Crouch3-PO vom Spielfeld und schreit schließlich ein langgedehntes „NEEEEEEEIN“ in den Nürnberger Frühabendhimmel. Zeitgleich gebärt Prinzessin Victorpadmeia auf der Ehrentribüne spontan neben dem verdutzten Kaiser Franz zwei Rebellenkinder. Genau so wird das kommen.

[Nachbericht]

- Naja, kam doch nicht ganz so. Trotzdem ein Hauch von Episode 3: Count Shaka Hislop hatte eben doch nur die Klonarmee vor sich statt den imperialen Sturmtruppen, da fehlte noch die Abstimmung kurz vor Schluss, als Crouch3-PO die Reihen durchbrach.

- Da dürfte Victoria schimpfen: sowohl Beenhakker (zu Beginn oberhalb der Stirn mit kecken Strähnen auf der weißen Haarinsel) als auch Eriksson (wunderbar geschnittener Senator Palpatine-Haaransatz) setzten die modischen Akzente.

- Angesichts der Beine des ersten Torschützen versteige ich mich zu folgender kühnen These: würde man den einmal klonen, Crouch1 und Crouch2 zusammenkleben und diese Masse auf 1,50 m Größe pressen, das Ergebnis hätte immer noch maximal halb so dicke Oberschenkel wie Roberto Carlos.

- An dieser Stelle würde ich normalerweise was über Torchancen, geniale Spielzüge oder herausragende Einzelaktionen schreiben. Aber da war ja nix. Stattdessen erwähne ich einfach mal, dass ich heute Mittag das Bad geputzt habe.

SWE – PAR 1:0

[Vorbericht]

- Schweden? Paraguay? Mir doch wurscht, wer… Nein, halt, da könnte unser Achtelfinalgegner ermittelt werden. Knifflig. In dem Fall bitte Paraguay, da legen wir einfach die Nummer von 2002 wieder auf. Müssen die Schweden halt 2010 in Südafrika was reissen. Der Skandinavier fühlt sich in Gefilden südlich des Äquators ja auch sofort heimisch. Äh, nein? Dann klappt es 2014 aber bestimmt.

[Nachbericht]

- Freddie, FREDDIE, FREDDIE!!! Mein Erstgeborenes werde ich Freddie nennen. Der Ljungberg ist seit heute mein Held. Warum? Ganz einfach. Wegen 28,30. Das ist der Betrag in Euro, den mir das Tor in der 88. Spielminute eingebracht hat. Jetzt werden Sie bluten, Herr Bet und Herr Win! 7 Euro Einsatz auf die Kombination Sieg ECU, Sieg ENG und Sieg SWE. Jaja, ein Angsthasentipp, aber fast dreißig Mäuse wert, meine Herrschaften!

- Und weil ich nun gnädig gestimmt bin, verzeihe ich dem Allbäck seine Dusseligkeit vorm Tor und dem Ibrahimovic seine Harmlosigkeit.

- Zum Schluss des Spieltages noch eine schonungslose Analyse von mir, für die Gerhard Delling glatt Günther Netzer verlassen würde: „die Schweden tun sich schwer in diesem Turnier, weil sie zuwenig Tore schießen“.